Eine Frau die mit einer Feder einen Brief schreibt
Das wollen alle

Was ist Liebe? Ein Liebesbrief an die Liebe

Liebe. Du übermächtiges Wort. Diese Zeilen sind für dich. Für alle, die dir jemals begegnet sind. Und für alle, die nach dir suchen.

In manchen Phasen des Lebens bist du ganz nah. In anderen scheinst du weit weg und ungreifbar. Es gibt Minuten, Stunden, Tage, da gibt die Welt vor, nur aus dir zu bestehen. In anderen Momenten verflüchtigst du dich. Du suchst das Weite, lässt dich einfach nicht mehr blicken.

Ach du, Liebe. Du kommst und gehst in das Leben von Menschen. So, als wärst du sprunghaft. Als wüsstest du nicht, was du eigentlich willst. Dabei, so magst du denken:

Es liegt doch an den Menschen selbst, mich für sich zu gewinnen. Sie können eigenmächtig entscheiden, mich in ihr Leben einzulassen. Jeder Einzelne hat es in der Hand, die Tür zu seinem Herzen zu öffnen und mich hereinströmen zu lassen.

Die einen schaffen es für kurze Zeit. Die anderen für immer. Manche finden den Schlüssel zu dieser Tür niemals. Andere verlieren ihn so plötzlich wie sie ihn gefunden haben.

Ach du, Liebe. Du bist uneigennützig und selbstlos

Aber, ganz ehrlich: Es gibt wohl niemanden auf diesem Planeten, der sich nicht wünscht, dass du in sein Leben eintrittst. Dabei wird oft übersehen: Liebe heißt nicht nur zu empfangen, sondern auch zu geben. Es geht nicht um ein Wechselspiel. Man lässt sich nicht auf dich ein, um selbst einen Nutzen zu haben. Die Zuwendung für den anderen kommt von innen heraus. Uneigennützig. Selbstlos.

Jeder empfindet anders, wenn er Liebe fühlt

Liebe braucht keine Küchenwaage, die Gramm für Gramm abwiegt. Die berechnet, was hinzukommt und was genommen wird. Das ist das Schöne an dir: Dich kann man nicht in das Korsett einer Definition zwängen. Du bedeutest für jeden etwas anderes. Jeder empfindet dich anders. Und jeder erlebt dich auf seine ganz eigene Weise.

Ach du, Liebe. Du bist für alle Menschen da

Das größte Geschenk, das du uns gibst: Jeder Mensch kann sich an dir nähren. Egal, wie viel Geld er besitzt, wie er aussieht. Egal, wo und wie er lebt. Was man tief drinnen fühlt, das kann einem niemand vorschreiben. Dafür braucht es kein Wissen, kein Parteibuch, keinen gesellschaftlichen Status.

Liebe ist. Du bist. Punkt. Manchen schenkst du innige Verbundenheit zueinander. Andere spüren dich als unerwidert. Aber auch das ist ein Teil von dir. Wer sich für dich entscheidet, tut es nicht bewusst. Man kann sich dir nicht rational annähern. Das gilt auch umgekehrt: Es ist unmöglich, sich deiner Kraft zu entziehen. Oft tauchst du plötzlich auf. Dann machst du dich still und leise vom Acker, schleichend, über Jahre hinweg. Bis du plötzlich gar nicht mehr zu existieren scheinst.

Ach du, Liebe. Du hilfst uns, das Leben zu meistern

Zu deinen besten Zeiten hilfst du uns dabei, das Leben zu meistern. Liebende lässt du Hand in Hand durch schwere Momente gehen. Oder durch unbeschwerte. Sie wissen: Es ist jemand an meiner Seite, der mich nimmt,
wie ich bin. Und der mich nicht allein lässt.

Treffender als Augustinus Aurelius könnte man nicht formulieren, wie sehr du Menschen Halt geben und sie beflügeln kannst: „Liebe – und tue, was du willst.“ Denn mit dir im Herzen ist der Blick sanfter, milder. Unwichtiges rückt in den Hintergrund. Unerträgliches wird ein Stück weit erträglicher.

Liebe lehrt uns Bedingungslosigkeit

Du bist so vieles. Du bist Hingabe, Leidenschaft, Verlangen. Du strahlst vor Güte, Geborgenheit, Zuneigung. Du bist Wertschätzung. Aber müsste man ein passendes Synonym für dich finden, dich mit einem einzigen Wort beschreiben, so wäre das wahrscheinlich: Bedingungslosigkeit. Wahre Liebe stellt keine Forderungen. Sie kennt keine Wenn-Dann-Strategie. Keine Berechnung. Keine Hinterlist. Sie verleiht dem Liebenden die Gabe, den anderen anzunehmen. Mit all seinen Stärken und seinen vermeintlichen Schwächen.

Ach du, Liebe. Ohne dich wäre die Erde viel leerer

Du bist aber auch Leid, Misstrauen, Schmerz und Angst. An dir können wir über uns hinauswachsen. An dir können wir zerbrechen. Trotz aller Herausforderungen, vor die du uns stellst: Wer dich einmal erlebt hat, will das Gefühl nicht mehr missen. Denn die Erde wäre ohne dich viel leerer und grauer. „Es ist besser, du gehst an deiner Liebe zugrunde, als, es wäre keine Liebe in der Welt“. So schrieb es einst der Salzburger Literat Karl Heinrich Waggerl.

Du bist, was du bist – und alles, was bleibt

Vielleicht liegt das Geheimnis im Umgang mit dir darin: Auch dich, die Liebe, so mannigfaltig anzunehmen, wie du dich zeigst. Frieden mit dir zu schließen. Denn du bist nicht nur gut oder schlecht für uns, schön oder hässlich, aufregend oder langweilig. Du bringst uns in himmlische Zustände und in tiefe Gräben. Du spornst uns zum Dahinschweben an und zum Kampf. Zur Selbstreflexion, zur inneren Rebellion.

Du bist, was du bist – frei nach dem Dichter Erich Fried. Und am Ende unseres Lebens, bist du alles, was bleibt.

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