Viele Frauen wissen noch immer viel zu wenig über ihre Vagina, ihre Menstruation und ihren Körper im Allgemeinen. Warum? Weil uns die Welt gerne einredet, dass wir uns bei diesen Themen schämen müssen. Oft wird uns etwa suggeriert, dass die Unterhose am Ende des Tages noch genauso aussehen muss wie am Morgen. Aber das ist Blödsinn. Denn Ausfluss ist komplett normal und grundsätzlich ein Zeichen dafür, dass unsere Vagina gesund ist.

Scheidenausfluss: Post-It unserer Vagina

Beim Ausfluss handelt es sich quasi um das Selbstreinigungsprogramm der Vagina, außerdem hält Ausfluss sie feucht und bietet ähnlich wie bei der Nasenschleimhaut eine Schutzbarriere gegen Bakterien. Farbe und Konsistenz wechseln je nach Zyklusphase. Durchsichtig, gelblich, schleimiger, bröckeliger – es ist vollkommen in Ordnung, dass sich der Ausfluss im Laufe des Zyklus verändert. Auch Faktoren wie eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre haben Einfluss auf den Ausfluss.

Gynäkologin Sheila De Liz schreibt in ihrem Buch „Unverschämt“ über den weiblichen Ausfluss: Wir sollten den Fleck in der Unterhose am Ende des Tages „wie ein kleines Post-It unserer Vagina verstehen.“ Eine Mitteilung, die uns sagt, dass alles okay ist – oder eben, dass die Bakterien in unserem Vaginamilieu nicht ganz zufrieden sind.

Denn üble Gerüche, jucken, brennen, sehr bröckeliger oder gelbgrüner Ausfluss können zeigen: Das Gleichgewicht der Vagina ist aus der Balance geraten.

Das Wichtigste: der pH-Wert

Mit einem pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4 ist das Vaginamilieu deutlich saurer als die restliche Haut. Verantwortlich für den niedrigen pH-Wert sind Milchsäurebakterien, auch Laktobazillen oder Döderlein-Bakterien genannt.

Das Wichtigste bei der Intimpflege: Der saure pH-Wert des Vaginamilieus darf sich nicht verändern. Denn nur wenn es die vielen kleinen Döderlein-Bakterien sauer haben und sich wohl fühlen, schützen sie uns vor Infektionen. Wenn sie es nicht tun, haben Scheidenpilze & Co. leichtes Spiel. Wir verraten Ihnen, wie Ihre Vagina gesund bleibt: die Dos & Don’ts der Intimpflege.

Richtige Intimpflege: Diese 5 Punkte sind für Ihre Scheide wichtig

1. Einmal am Tag waschen reicht

Wenn Sie zu den Frauen gehören, die sich unten gerne ausgiebig und oft waschen, sollten Sie damit aufhören. Die Scheide reinigt sich selbst und braucht dabei nur sehr wenig Unterstützung. Es reicht vollkommen, den Scheidenbereich einmal am Tag zu waschen – und zwar bitte nicht mit heißem, sondern mit warmem Wasser.

2. Seifen sind nicht notwendig

Ja, Wasser alleine reicht aus. Seifen, Cremes, Tücher & Co. für den Intimbereich sind normalerweise nicht notwendig, eine gesunde Vagina ist nicht keimfrei und reguliert sich von selbst. Verwenden Sie bei der Reinigung sanft Ihre Finger, Waschlappen und Schwämme sind wahre Bakterienschleudern. Auch Rubbeln ist bei der zarten Schleimhaut gar keine gute Idee. Besser: Mit einem sauberen Handtuch trocken tupfen.

3. Die richtigen Produkte

Wenn Sie das Gefühl haben, Wasser alleine ist einfach zu wenig, können Sie zu sanften Intimhygiene-Produkten mit angepasstem pH-Wert greifen. Verwenden Sie keinesfalls Duschgel oder normale Seifen! Diese greifen den pH-Wert des Vaginamilieus stark an. Auch bei Periodenprodukten sollten Sie darauf achten, was Sie Ihrer Vagina zumuten. Unparfümierte Tampons und Binden aus Bio-Baumwolle oder Menstruationstassen sind die bessere Wahl.

4. Bitte Hände waschen

Wenn Sie sich an der Scheide berühren – sei es während der Periode, einer Runde Selbstbefriedigung oder Sexsollten Sie darauf achten, vorher Ihre Hände zu waschen. Diese greifen tagtäglich so viel an; kein Wunder, dass sich eine Vielfalt an Bakterien auf ihnen tummelt. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, viele davon verursachen keine Krankheiten. Dennoch wollen wir die Keime nicht in unserer Vaginalflora verteilen.

5. Unterwäsche ohne Synthetik

Lassen Sie bei der Auswahl Ihrer Unterwäsche synthetische Stoffe links liegen. In Synthetik-Höschen sind Wärmestau und Schwitzen vorprogrammiert. Ihre Vagina liebt (Bio-)Baumwolle, denn sie mag es gerne atmungsaktiv. Zuhause darf es auch gerne mal „unten ohne“ sein. Schlafen ohne Höschen fühlt sich nicht nur gut an, sondern sorgt auch für eine ideale Belüftung.