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Stillen: Warum spaltet das Thema so?

Brust versus Flasche

Stillen: Warum spaltet das Thema so?

Wenn Frauen in der Öffentlichkeit stillen, ernten sie entsetzte Blicke. Aber auch Mütter, die nicht stillen, sondern Fläschchen-Nahrung füttern, werden kritisiert. Was denn nun? Eine Hebamme schlichtet den großen Still-Streit.

Beim Thema Stillen können Frauen nur verlieren: Stillt sie ihr Baby gar nicht, heißt es: Wieso stillst du nicht? Stillt sie ihr Zwei- oder Dreijähriges, hört sie: Wieso stillst du noch? Und in der Öffentlichkeit stillt frau ohnehin am besten gar nicht – die Wahrscheinlichkeit ist groß, entsetzte, angewiderte oder abwertende Blicken zu ernten. Keine Frage: Stillen spaltet. (Und wir reden hier noch gar nicht vom Abstillen.)

„Um es gleich vorab zu sagen: Eine gute Mutter zu sein, hat rein gar nichts damit zu tun, ob sie stillt oder nicht“, sagt Hebamme Christina Kulle aus Magdalensberg. Sie weiß aus Erfahrung: Beim Thema Stillen lastet auf Frauen ein enormer Druck. „Und dabei ist Stress das Letzte, was frisch gebackene Mamas brauchen.“

Stillen: Laut WHO das Beste für das Baby

Nicht nur die Weltgesundheitsorganisation, sondern auch viele Ärztinnen und Ärzte Hebammen empfehlen nach wie vor, Säuglinge zu stillen. Und zwar am besten mindestens sechs Monate lang. Warum eigentlich? Expertin Kulle verweist auf diese Gründe: „Stillen ein natürlicher Prozess und die natürliche Zusammensetzung der Muttermilch ist perfekt auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt. Außerdem fördert der Körperkontakt beim Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind sowie Rückbildungsprozesse im Körper der Mutter.“ Und klar, viele Frauen genießen es einfach, ihr Baby zu stillen.

 

Es klappt einfach nicht: Können manche Frauen nicht stillen?

Doch natürlich gibt es auch Frauen, die ihr Baby mit dem Fläschchen ernähren. Gründe dafür gibt es einige, etwa körperliche Besonderheiten von Mutter oder Baby. So kann es beispielsweise nach einer Vorerkrankung mit Brustkrebs der Fall sein. Bei manchen Frauen passt es auch schlichtweg aus beruflichen Gründen nicht mit dem Stillen.

Manchmal ist auch der Stillstart im Krankenhaus holprig. Dann hilft es, die biologischen Fakten zu kennen: So dauert es z.B. ein paar Tage, bis der Milchfluss in Gang kommt: „Zwischen drei und sechs Tage sind normal. Die Vormilch, die bis dahin produziert wird, ist ein Energie-Booster, der dem kleinen Säuglingsmagen vollkommen genügt.“ Oft lassen sich Stillprobleme am Anfang durch Unterstützung der Hebammen beheben: „Manchmal ist eine Frage der Geduld und der Übung, bis es mit dem Milchfluss funktioniert.“

Und wenn es trotzdem nicht klappt? Macht sich frau nicht selten Vorwürfe: „Die Verzweiflung vieler Frauen, wenn es mit dem Stillen nicht recht klappen will, ist teilweise enorm. Sie machen sich den Vorwurf, eine schlechte Mutter zu sein. Das ist natürlich Unsinn“, sagt die Expertin.

Die meisten Mütter stillen nach wenigen Monaten ab

Zum Flascherl greifen in Österreich übrigens die meisten Mütter recht bald nach der Geburt: „Ein Großteil der Frauen stillt nach rund drei bis vier Monaten ab“, weiß Kulle. Doch auch wenn Mütter von Geburt an auf Milchpulver setzen, muss sich keine Sorgen machen. „Moderne Präparate enthalten alle wichtigen Nährstoffe für das Baby. Ich empfehle jedoch ausschließlich so genannte PRE-Milch zu füttern. So genannte 1er und 2er Milch enthält Zusammensetzungen, die aus meiner Sicht nicht notwendig sind.“

 

Bindung aufbauen: Tipp für Flaschen-Mamas

Wie wichtig der unmittelbare Hautkontakt zwischen Mutter und Baby ist, hat die Wissenschaft längst hinlänglich bewiesen. Beim Stillen wird dieses Bedürfnis auf natürliche Weise befriedigt. Bei Flaschenkindern müssen sich Eltern deshalb aber keine Sorge machen. Wichtig ist aber, sagt Hebamme Kulle, für ausreichend Kuschel-Momente zu sorgen: „Legen Sie Ihr nacktes Baby so oft es geht auf Ihre nackte Haut. Das ist entwicklungsfördernd.“ WHO und UNICEF haben eine Broschüre herausgegeben, in der Mütter und Väter noch mehr Tipps erhalten, wie sie ihren Babys beim Flascherlgeben noch mehr die Bindung stärken. Beispielsweise sollen Eltern das Köpfchen des Babys so positionieren, dass es bequem liegt und dabei den Augenkontakt mit der Mama (oder dem Papa) halten kann. Außerdem wird empfohlen regelmäßig die Seite, auf der Sei das Baby halten, zu wechseln. Das fördert seine Hand-Augen-Koordination.

 

 

3 Still-Tipps, die helfen, wenn es mit der Milch nicht klappen will

 

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Man kann es nicht oft genug sagen: Mutter und Kind brauchen nach der Geburt eine Zeit der Erholung und Eingewöhnung. Diese sollte man sich bewusst nehmen. Und sich selbst auch gönnen. Konkret bedeutet das: Handy, Haushalt und andere Ablenkungen haben Pause. Es geht jetzt nur um Sie und Ihren kleinen Schatz.

 

Hilfe von Hebammen

Eine Nachsorgehebamme kommt nach Hause und begleitet Mutter und Kind in der Zeit nach der Geburt. Sie kennt sämtliche Tricks des Stillens, kann beurteilen, welche Entwicklungen gut und normal sind und unsicheren Frauen die Sorgen nehmen. „Ich kann nur jedem raten, sich auf diese Hilfe einzulassen“, sagt Kulle. Für besondere Fälle gibt es auch Stillambulanzen. Diese müssen aber meist erst dann in Anspruch genommen werden, wenn besondere Stillprobleme vorliegen. Auch darüber kann die betreuende Hebamme fachkundig urteilen.

 

Übung macht die Meister-Mama

Stillen ist ein Lernprozess. Und dieser gelingt nur, wenn man ihn regelmäßig übt. „Legen Sie das Baby daher immer wieder an die Brust an; auch wenn dabei scheinbar erstmal nichts klappt. Es kann ein paar Tage dauern, bis es zum Milchfluss kommt und auch das Baby lernt, richtig zu saugen, aber jeder Schritt dort hin ist notwendig und wichtig. Geben Sie nicht vorschnell auf“, rät die Hebamme.