Ich kann dich riechen!

Die Liebe auf den ersten Blick ist viel zitiert worden. Doch heißt es auch, man muss einander riechen können. Geben wir bei der Partnerwahl also der Attraktivität oder dem Geruch den Vorzug? Wir haben uns auf Spurensuche begeben und die Duftentwicklerin Katrin Schimmelpfennig interviewt.

Mann trägt Frau in den Armen durch Winterlandschaft
Mann trägt Frau in den Armen durch Winterlandschaft

active beauty: Inwiefern ist der Duft bei der Wahl unserer Sexualpartner ausschlaggebend?

Katrin Schimmelpfennig: Tatsächlich kommt der Ausspruch, „jemanden nicht riechen können“, nicht von ungefähr. Neben einer sympathischen Ausstrahlung, dem Aussehen, Humor und Intellekt spielt auch der Geruch einer Person eine Rolle. Düfte berühren unser Innerstes. Sie haben direkten Zugang zu den Teilen unseres Gehirns, die für die Verarbeitung von Emotionen und Erinnerungen zuständig sind. Keine andere Sinneswahrnehmung kann unsere Gefühlswelt so ungefiltert beeinflussen wie das Riechen. Noch bevor wir uns vom Verstand her bewusst sind, was passiert, fühlen wir uns bereits zu manchen Menschen hingezogen – oder eben nicht.

Wovon hängt es ab, ob wir jemanden als gut oder schlecht riechend empfinden?

Gerüche und Düfte werden immer subjektiv wahrgenommen. Was dem einen gefällt, kann von jemand anderem als unangenehm empfunden werden. Unsere Duftvorlieben sind sehr persönlich, durch eigene Erfahrungen geprägt und dabei eng an unseren kulturellen und sozialen Background gebunden. Unser Umfeld, unsere Erlebnisse und die Gefühle, die wir beim Riechen von bestimmten Düften empfunden haben, prägen uns stark.

Sollten wir beim Rendezvous besser das Parfum weglassen, um den Eigenduft des anderen wahrnehmen zu können?

Das Wunderbare an Parfums ist, dass sie sich auf der Haut individuell entfalten. So entsteht die ganz spezielle Mischung aus persönlichem Eigengeruch und Duft. Ein Parfum ist ein perfektes Mittel, unsere natürliche Ausstrahlung zu unterstreichen. Düfte haben darüber hinaus die Chance, als Emotionen in unserer Erinnerung verankert zu werden. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die sich auch Jahre später sehr gut an den Duft ihres ersten Freundes oder ihrer großen Liebe erinnern. Wenn Sie mich fragen, ist ein gutes Parfum für das Rendezvous unverzichtbar!

Katrin Schimmelpfennig

Katrin Schimmelpfennig hat ihre Passion für Duft zu ihrem Beruf gemacht. Seit mehr als 15 Jahren leitet sie als Head of Fragrance Coordination die Duftentwicklung für alle Henkel Beauty Care-Produkte. Zuvor war sie 13 Jahre in der Parfum-Industrie tätig.

Gibt es in Kosmetikprodukten Duftstoffe, die bei Männern oder Frauen als anziehend wahrgenommen werden und uns unwiderstehlich machen?

Auf jeden Fall! Allerdings sind die Vorlieben sehr, sehr vielfältig und von Person zu Person unterschiedlich. Ein weltweites Patentrezept gibt es nicht. Zum Glück, wie ich finde, denn die Welt der Düfte ist so faszinierend und unendlich facettenreich, dass es ein echter Verlust wäre, sich auf wenige Duftkreationen zu beschränken. Ich kann jeden nur einladen voller Freude und Leidenschaft die Welt mit der Nase zu entdecken!

Lassen sich unsere Emotionen und unsere Stimmung mit Düften austricksen?

Ich liebe es neue Duftkonzepte zu entwickeln und die geruchliche Realisierung zu begleiten! Parfums sind Kunstwerke, inspirierend und bereichernd, sie öffnen uns die Tür zu einer sinnlichen Welt. Sie haben die Kraft, alltägliche Handlungen wie die Haare zu waschen oder zu duschen, in emotionale Momente zu verwandeln. So sind wir stets auf der Suche nach dem perfekten Duft, um unseren Verbraucherinnen und Verbrauchern ein unvergessliches Dufterlebnis zu schenken. Unsere Parfums sind einzigartig und exklusiv für uns entwickelt und ein sehr wichtiger Beitrag zu unserer Innovationskraft. Die Basis unserer Arbeit bildet dabei ein profundes Wissen um die Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben unserer Kunden. Wir kennen den Markt, die aktuellen Trends sehr gut und sind am Puls der Zeit. Dies ermöglicht uns für jedes unserer Produkte eine maßgeschneiderte Duftstrategie zu kreieren, die in intensiver Zusammenarbeit mit den Parfümeuren zum Leben erweckt wird. Zahlreiche Entwicklungsstufen und Tests sind notwendig, um final genau das zu erreichen, was wir uns wünschen: ein Parfum, das unsere Kunden unser Produkt mit allen Sinnen erleben und genießen lässt.

Haben sich die Duftvorlieben im Laufe der Zeit gewandelt?

Die Geschichte der Parfümerie ist viele Tausend Jahre alt, und die Vorlieben und kreativen Möglichkeiten wandeln sich stetig. Das ist wunderbar, denn es zeigt, wie lebendig Düfte sind und welchen hohen Stellenwert sie in unserem Leben haben. Neue Rohstoffe ermöglichen uns die kontinuierliche Weiterentwicklung von Duftrichtungen und eröffnen neue Duftwelten. Diese prägen wiederum den Geschmack und die Erwartungen der Verbraucher. Der Konsument kann heute aus einer Fülle von Kosmetikprodukten wählen, die allen Duftvorlieben entgegenkommen: von modern bis traditionell, von leicht bis schwer, fruchtig oder blumig, orientalisch, frisch oder holzig. Und natürlich gibt es klassische Duftthemen, die zeitlos sind und gerade durch ihre Beständigkeit punkten, wir nennen diese liebevoll „Duftikonen“. Ein Beispiel hierfür wäre das Parfum Chanel No. 5, welches bereits vor 97 Jahren (1921) auf den Markt gekommen ist und noch immer zu den Topsellern zählt.

Buchcover von Michelle Marlys "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe".

Buchtipp: Paris, 1919: Coco Chanel ist es gelungen, ein erfolgreiches Modeunternehmen aufzubauen. Doch als ihr Geliebter Boy Capel bei einem Unfall stirbt, ist sie vor Trauer wie gelähmt. Erst der Plan, ihrer Liebe zu ihm mit einem Parfüm zu gedenken, verleiht ihr neue Tatkraft. Auf ihrer Suche danach begegnet sie dem charismatischen Dimitri Romanow. Mit ihm an ihrer Seite reist Coco nach Südfrankreich, in die Wiege aller großen Düfte, und kommt schon bald dem Duft der Liebe auf die Spur.

Michelle Marly: „Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ (Aufbau Verlag)

Unser Tipp

Mehr über Düfte und ihre Wirkung lesen Sie auch in unserem Printmagazin active beauty 10/2018.


6 Dezember 2018 | INTERVIEW: DENISE SIEBKE | FOTO: STOCKSY

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