Pflegekind aufnehmen: Eine Krisenpflegemama erzählt von ihren Erfahrungen
Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert
Krankheit, Überforderung, Gewalt, Sucht oder andere schwere Krisen können dazu führen, dass Kinder vorübergehend oder dauerhaft ein neues Zuhause brauchen. Genau hier kommen Bereitschafts- und Pflegefamilien ins Spiel – Menschen, wie Carolin Roßmann…
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Bereitschaftspflege?
- Ein Pflegekind dauerhaft aufnehmen
- Wer kann Pflegefamilie werden?
- Interview
- „Familie ist das, was man fühlt“
- Sie sind seit 2021 Pflegemama. Wie sind Sie dazu gekommen?
- Warum haben Sie sich für die Bereitschaftspflege entschieden?
- Wie läuft eine Bereitschaftspflege ab?
- War Ihnen und Ihrer Familie bewusst, worauf Sie sich da emotional einlassen?
- Wie viele Kinder haben Sie begleitet?
- Wie haben ihre leiblichen Töchter auf die Pflegekinder reagiert?
- War das für die Mädchen nicht schwer?
- Auch Carlo (Name von der Redaktion geändert) kam als Bereitschaftspflegekind zu euch und lebt heute dauerhaft bei euch. Wie kam es dazu?
- Weiß Carlo, dass er ein Pflegekind ist?
- Wie unterscheidet sich die Pflege von der Adoption?
- Besteht die Möglichkeit, dass Carlo irgendwann wieder gehen muss?
- Wie erleben ihre leiblichen Kinder das Leben mit Pflegekindern?
- Die meisten Pflegekinder bringen wahrscheinlich einen „Rucksack“ mit?
- Ist es emotional nicht unglaublich schwer, Kinder wieder ziehen zu lassen?
- Was macht eine gute Pflegefamilie aus?
- Muss man dafür besonders ausgebildet werden?
- Wie wichtig ist Unterstützung?
- Kann man sich aussuchen, welche Kinder man aufnimmt?
- Würden Sie derzeit noch ein Kind aufnehmen?
- Das heißt, Nein sagen gehört manchmal auch dazu?
- Wie wird entschieden, welche Dauerpflegefamilie zu welchem Kind passt?
- Und wenn eine Familie gefunden wurde?
- Welche Unterstützung bekommen Pflegefamilien?
- Sie engagieren sich mittlerweile stark für dieses Thema. Wie genau sieht das aus?
- Warum ist Ihnen dieses Engagement so wichtig?
- Was möchten Sie Menschen mitgeben, die darüber nachdenken, Pflegefamilie zu werden?
Was ist eine Bereitschaftspflege?
Bereitschaftspflege – auch Krisenpflege genannt – ist die erste Anlaufstelle, wenn ein Kind kurzfristig Schutz benötigt. Oft geschieht das völlig unerwartet: Ein Baby wird direkt nach der Geburt untergebracht oder ein Kleinkind muss aufgrund einer akuten familiären Krise schnell aus seinem Zuhause geholt werden. Bereitschaftspflegefamilien stehen deshalb rund um die Uhr bereit. Sie geben Kindern für Tage, Wochen, Monate oder manchmal auch Jahre Sicherheit, bis geklärt ist, wie es langfristig weitergeht. In dieser Zeit prüfen die Kinder- und Jugendhilfe sowie Fachkräfte gemeinsam mit den Herkunftseltern die Perspektive des Kindes. Manchmal kann ein Kind wieder zu seiner Familie zurückkehren, manchmal wird eine Dauerpflegefamilie gesucht.
Ein Pflegekind dauerhaft aufnehmen
Kann ein Kind langfristig nicht bei seinen leiblichen Eltern leben, wird es häufig in einer Dauerpflegefamilie untergebracht. Diese übernimmt den Alltag, die Erziehung und schenkt dem Kind Stabilität und Geborgenheit – oft über viele Jahre hinweg.
Dabei unterscheidet sich eine Pflegefamilie aber rechtlich von einer Adoption. Die Obsorge bleibt grundsätzlich bei der Kinder- und Jugendhilfe beziehungsweise den leiblichen Eltern, sofern diese nicht anders geregelt wird. Pflegeeltern arbeiten eng mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern zusammen und begleiten auch den Kontakt zur Herkunftsfamilie, wenn dieser dem Kindeswohl entspricht.
Wer kann Pflegefamilie werden?
Ob verheiratet oder alleinstehend, mit eigenen Kindern oder kinderlos, hetero- oder homosexuell – entscheidend sind nicht Familienform oder Lebensmodell, sondern Stabilität, Zeit, Geduld und die Bereitschaft, einem Kind mit seiner gesamten Lebensgeschichte zu begegnen. Vor einer Aufnahme werden Interessierte sorgfältig geprüft, absolvieren Gespräche mit der Kinder- und Jugendhilfe in der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft und nehmen an einer verpflichtenden Qualifizierung teil. Ausführliche und aktuelle Informationen findet man unter anderem hier.
Interview
„Familie ist das, was man fühlt“
In Österreich werden dringend neue Pflegefamilien gesucht. Gleichzeitig wissen erstaunlich wenige Menschen, wie Pflege eigentlich funktioniert oder welche Möglichkeiten es gibt. Carolin Roßmann möchte das ändern. Die zweifache Mama lebt selbst als Pflegefamilie und engagiert sich weit über den Familienalltag hinaus für mehr Sichtbarkeit sozialer Elternschaft. In ihrem Podcast „Wir sind Pflegefamilie“ spricht sie offen über den Alltag mit Pflegekindern, über Bindung, Abschied, Bürokratie, Herkunftsfamilien und die vielen Fragen, die Menschen rund um das Thema beschäftigen. Neben persönlichen Erfahrungen kommen dort auch Fachpersonen sowie andere Pflege- und Adoptivfamilien zu Wort.
Sie sind seit 2021 Pflegemama. Wie sind Sie dazu gekommen?
Mein Mann und ich waren schon immer offen dafür. Wir haben sogar schon früh gesagt, dass wir ein Kind adoptieren würden, wenn wir selbst keine bekommen könnten. Meine Schwester hatte dann ein Bereitschaftspflegekind bei sich aufgenommen. Dadurch habe wird das Thema kennengelernt. Als unsere Tochter zwei Jahre alt war, haben wir uns schließlich informiert und beschlossen, Bereitschaftspflegefamilie zu werden.
Warum haben Sie sich für die Bereitschaftspflege entschieden?
Unser Ziel war ursprünglich nicht, unsere Familie zu vergrößern. Wir wollten Kindern in schwierigen Lebenssituationen für eine begrenzte Zeit ein sicheres Zuhause geben. Gleichzeitig konnten wir zwischen den Pflegekindern immer wieder Pausen einlegen, damit unsere Familie Zeit hatte, sich zu erholen.
Wie läuft eine Bereitschaftspflege ab?
Wenn ein Kind plötzlich nicht mehr bei seinen Eltern bleiben kann, braucht es oft sofort einen sicheren Platz. Das kann ein Neugeborenes sein, das direkt nach der Geburt nicht nach Hause gehen kann. Oder ein Kind bzw. Jugendliche, dessen Eltern gerade in einer schweren Krise stecken. Dann bekommt eine Bereitschaftspflegefamilie einen Anruf. Man weiß vorher nie, wann das Telefon läutet. Innerhalb weniger Stunden kann plötzlich ein Kind bei einem einziehen. Diese Kinder bleiben meist einige Wochen oder Monate, in manchen Fällen auch Jahre. In dieser Zeit klärt die Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam mit allen Beteiligten, wie die langfristige Perspektive aussieht.
War Ihnen und Ihrer Familie bewusst, worauf Sie sich da emotional einlassen?
Wir wussten natürlich, dass Abschiede dazugehören würden. Wenn dann tatsächlich ein Baby bei dir lebt, Tag und Nacht auf deinem Arm schläft, du es tröstest, fütterst und begleitest, dann entsteht automatisch Bindung. Und genau das soll auch so sein.
Diese Kinder brauchen in dieser Zeit eine sichere Beziehung. Natürlich tut ein Abschied dann auch weh. Aber ich habe mich immer als eine Art Assistentin der leiblichen Eltern gesehen. Ich war nie diejenige, die einem Kind seine Geschichte nehmen wollte. Ich durfte es ein Stück begleiten.
Wie viele Kinder haben Sie begleitet?
Insgesamt vier Bereitschaftspflegekinder. In der Steiermark kann man nach einem Auszug selbst entscheiden, wann man wieder bereit ist, ein neues Kind aufzunehmen. Das war für uns als Familie wichtig, unsere eigenen beiden Töchter sind ja ebenfalls noch sehr jung. Ein Baby oder Kleinkind aufzunehmen, ist zwar schön, aber natürlich für alle auch emotional sehr anspruchsvoll.
Wie haben ihre leiblichen Töchter auf die Pflegekinder reagiert?
Unglaublich liebevoll. Für sie war jedes neue Kind etwas ganz Besonderes. Immer wenn gerade kein Pflegekind bei uns war, warteten sie schon voller Vorfreude auf den nächsten Anruf. Sie fragten ständig: "Wann kommt wieder ein Baby?"
Natürlich wussten sie auch, dass jedes Kind irgendwann wieder gehen würde. Das gehörte für uns als Familie einfach dazu.
War das für die Mädchen nicht schwer?
Doch, natürlich. Es gab Kinder, die sie besonders vermisst haben. Vor allem jene, die uns emotional sehr bewegt haben oder die einfach viel Nähe gebraucht haben. Aber gleichzeitig war es für unsere Töchter unglaublich bereichernd. Sie haben schon als kleine Kinder gelernt, dass Familie ganz unterschiedlich aussehen kann. Wir haben Kinder an eine alleinerziehende Mama weitergegeben. Ein anderes Kind kam zu einem gleichgeschlechtlichen Paar. Ein Kind hatte eine Beeinträchtigung. Für unsere Töchter war das völlig selbstverständlich. Sie haben gelernt, dass Liebe viele Gesichter hat.
Auch Carlo (Name von der Redaktion geändert) kam als Bereitschaftspflegekind zu euch und lebt heute dauerhaft bei euch. Wie kam es dazu?
Bei ihm war irgendwie von Anfang an alles anders. Carlo kam direkt nach seiner Geburt noch aus dem Krankenhaus zu uns. Eigentlich war auch bei ihm klar, dass wir Bereitschaftspflege machen. Doch schon sehr früh merkten wir als Familie, dass diese Geschichte anders verlaufen würde. Wir hatten gemeinsam unglaublich intensive Wochen erlebt. Und dann sagten unsere Töchter irgendwann ganz deutlich:
"Mama, bitte lasst Carlo bei uns bleiben." Sie wollten sich nicht von verabschieden müssen. Es fühlte sich einfach sofort so an, dass er zu uns gehört. Er ist unser Herzenskind.
Weiß Carlo, dass er ein Pflegekind ist?
Ja, wir gehen sehr offen damit um. Carlo weiß, dass er auch eine Bauchmama hat. Ich erkläre ihm, dass er zwei Mamas hat. Eine Mama, in deren Bauch er gewachsen ist, die ihn zur Welt gebracht hat, bei der er aber leider nicht aufwachsen kann. Die andere bin ich, seine Pflegemama. Er versteht natürlich noch nicht alles, aber wir erzählen ihm seine Geschichte altersgerecht. Sie gehört zu ihm.
Wie unterscheidet sich die Pflege von der Adoption?
Bei einer Adoption wird man rechtlich Mutter oder Vater des Kindes. Bei einer Pflegefamilie bleibt die Obsorge bei den leiblichen Eltern, oder beim Land beziehungsweise bei der Behörde. Viele Entscheidungen werden gemeinsam mit der zuständigen Sozialarbeiterin oder dem zuständigen Sozialarbeiter getroffen. Das kann manchmal aufwendig sein. Andererseits empfinde ich es auch als Entlastung, weil man die Verantwortung nicht alleine tragen muss. Wir entscheiden immer gemeinsam, was für das Kind das Beste ist.
Besteht die Möglichkeit, dass Carlo irgendwann wieder gehen muss?
Diese Möglichkeit besteht rechtlich grundsätzlich immer. Pflege hat das Ziel, die beste Lösung für das Kind zu finden. In der Praxis ist es aber sehr selten, dass ein Kind nach vielen Jahren in einer Dauerpflegefamilie wieder herausgenommen wird. Wenn ein Kind dort aufwächst, sozial integriert ist und seine Familie gefunden hat, steht das Kindeswohl an erster Stelle.
Wie erleben ihre leiblichen Kinder das Leben mit Pflegekindern?
Wir sind als ganze Familie Pflegefamilie, nicht nur mein Mann und ich. Deshalb haben wir nie ein Kind aufgenommen, ohne vorher mit unseren Töchtern darüber zu sprechen. Sie haben jedes Pflegekind sofort als Geschwisterchen angenommen und es bei allem so gut sie konnten unterstützt. Gerade bei Carlo weiß ich noch genau, wie wir spazieren waren und ich erzählt habe, dass ein Baby im Krankenhaus auf uns wartet. Die beiden waren völlig aus dem Häuschen und wären am liebsten sofort losgefahren.
Die meisten Pflegekinder bringen wahrscheinlich einen „Rucksack“ mit?
Pflegekinder sind nicht ohne Grund Pflegekinder. Sie haben oft Dinge erlebt, die kein Kind erleben sollte. Manche haben Vernachlässigung erfahren, andere Gewalt, manche hatten von Anfang an keine stabile Bindung. Das bedeutet nicht, dass sie grundsätzlich schwierige Kinder sind. Aber sie brauchen oft besonders viel Sicherheit, Geduld und Verständnis.
Ist es emotional nicht unglaublich schwer, Kinder wieder ziehen zu lassen?
Doch. Aber meine Aufgabe war es, dem Kind in einer schwierigen Zeit Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Ich wusste von Anfang an, dass meine Rolle zeitlich begrenzt ist.
Was macht eine gute Pflegefamilie aus?
Man braucht viel Liebe, Geduld und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Pflegekinder bringen oft belastende Erfahrungen mit. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Ressourcen gut einzuschätzen und sich Unterstützung zu holen, wenn man sie braucht.
Muss man dafür besonders ausgebildet werden?
Bevor man Pflegefamilie wird, wird man intensiv vorbereitet. Man hat mehrere Gespräche mit der Kinder- und Jugendhilfe. Es gibt Hausbesuche, Gesundheitszeugnisse, Strafregisterauszüge und ausführliche Gespräche über die eigene Lebensgeschichte, die Partnerschaft und die Familie. Außerdem wird gemeinsam geschaut, welche Kinder überhaupt zur jeweiligen Familie passen würden.
Wie wichtig ist Unterstützung?
Pflegefamilie wird man nie allein. Wir haben das große Glück, dass unsere Familie immer hinter uns gestanden hat. Unsere Oma ist eine riesengroße Unterstützung. Meine Eltern ebenfalls.
Kann man sich aussuchen, welche Kinder man aufnimmt?
Zumindest teilweise. Wenn mich jemand anruft, bekomme ich Informationen über die Situation des Kindes. Dann kann ich ehrlich überlegen: Trauen wir uns das als Familie zu? Passt das gerade zu unserer Lebenssituation? Manchmal geht es um gesundheitliche Themen, manchmal um Entwicklungsverzögerungen oder Traumata.
Es bringt niemandem etwas, Ja zu sagen, obwohl die eigenen Ressourcen gerade nicht reichen.
Würden Sie derzeit noch ein Kind aufnehmen?
Unsere Töchter würden sofort Ja sagen. Vor allem unsere Jüngste hätte am liebsten wieder ein Baby im Haus. Aber im Moment nein. Nicht, weil wir es nicht möchten, sondern weil ich gelernt habe, auf meine eigenen Ressourcen zu achten. Heute engagiere ich mich auf vielen anderen Ebenen für Pflegefamilien. Ich arbeite in der PflegefamilienSTimme Steiermark mit, die sich als Interessenvertretung für Pflegefamilien einsetzt, betreibe einen Podcast über uns als Pflegefamilie, habe mein Studium abgeschlossen und möchte wissenschaftlich weiterforschen. Das braucht ebenfalls Zeit und Energie. Und ganz ehrlich: Nach zehn Jahren mit Windeln, Fläschchen und schlaflosen Nächten genieße ich es auch ein bisschen, dass unsere Kinder größer werden.
Das heißt, Nein sagen gehört manchmal auch dazu?
Unbedingt. Gerade als Pflegemama muss man seine eigenen Grenzen kennen. Es fällt unglaublich schwer, einen Anruf abzulehnen, wenn man weiß, dass ein Kind gerade dringend einen Platz braucht. Aber wenn ich selbst keine Kraft mehr habe, helfe ich diesem Kind auch nicht. Deshalb ist Ehrlichkeit ganz wichtig.
Wie wird entschieden, welche Dauerpflegefamilie zu welchem Kind passt?
Das passiert sehr sorgfältig. Während ein Kind bei uns lebt, schreiben wir regelmäßig Berichte. Wir dokumentieren, wie sich das Kind entwickelt, was ihm guttut und welche Bedürfnisse es hat. Wenn später eine Dauerpflegefamilie gesucht wird, kennt die Kinder- und Jugendhilfe das Kind bereits sehr gut. Dann wird geschaut, welche Familie wirklich zu diesem Kind passt.
Und wenn eine Familie gefunden wurde?
Dann zieht das Kind nicht einfach von heute auf morgen aus. Es gibt eine sogenannte Anbahnungsphase. Die zukünftigen Pflegeeltern kommen zunächst zu uns. Sie lernen das Kind in seiner vertrauten Umgebung kennen. Nach und nach verbringen sie immer mehr Zeit miteinander. Erst wenn alle Beteiligten das Gefühl haben, dass das Kind bereit ist, zieht es um. Das ist ein Prozess. Und genau so sollte es auch sein.
Welche Unterstützung bekommen Pflegefamilien?
Pflegefamilien werden ausgebildet und begleitet. Es gibt regelmäßige Gespräche mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Fortbildungen und je nach Bedarf zusätzliche Unterstützungsangebote wie Therapien oder Entlastungsdienste. Trotzdem sehe ich gerade bei Bereitschaftspflegefamilien noch großen Verbesserungsbedarf, vor allem bei den Rahmenbedingungen. Bereitschaftspflege ist eigentlich ein Fulltime-Job. Ein Baby braucht Bindung. Es braucht jemanden, der da ist. Gleichzeitig ist die finanzielle Absicherung für Bereitschaftspflegefamilien in Österreich noch sehr unterschiedlich geregelt. Da wünsche ich mir langfristig bessere Lösungen.
Sie engagieren sich mittlerweile stark für dieses Thema. Wie genau sieht das aus?
Wir haben eine GPA unterstütze Initiative hier in der Steiermark gegründet, um die Interessen von Pflegefamilien zu vertreten und gemeinsam mit dem Land Lösungen zu entwickeln. In meinem Podcast „Wir sind Pflegefamilie“ spreche ich über meinem Alltag als Pflegemama. Dabei geht es um Themen, die mich bewegen, aber auch um Bürokratie und den Austausch mit anderen Pflegeeltern und Fachpersonen. Außerdem habe ich meine Masterarbeit zu einem Thema in Pflegekinderhilfe geschrieben und möchte nun in einem Dissertationsstudium erforschen, wie Übergänge für Pflegekinder besser gestaltet werden können.
Warum ist Ihnen dieses Engagement so wichtig?
Weil wir dringend mehr Pflegefamilien benötigen. Gleichzeitig brauchen viele Kinder ein sicheres Zuhause. Ich wünsche mir mehr Aufklärung darüber, was Pflegefamilie wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, ein Kind zu retten. Es geht darum, einem Kind für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft Liebe, Sicherheit und Stabilität zu schenken.
Was möchten Sie Menschen mitgeben, die darüber nachdenken, Pflegefamilie zu werden?
Dass es eine unglaublich wertvolle Aufgabe ist, ein Pflegekind ein Stück seines Lebens begleiten zu dürfen. Gleichzeitig ist diese Aufgabe sehr herausfordernd. Es braucht gute persönliche und familiäre Ressourcen, und man sollte immer ehrlich zu sich selbst sein und die eigenen Grenzen kennen. Wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass ein Pflegekind immer seine eigene Geschichte und seine leiblichen Eltern mitbringt. Als Pflegefamilie öffnet man somit auch ein Stück weit das eigene Familienleben nach außen. Die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe, privaten Einrichtungen, Entlastungsdiensten und weiteren Fachstellen gehört ganz selbstverständlich dazu. Trotz aller Herausforderungen lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. Denn neben den schwierigen Momenten gibt es unglaublich viele schöne Erlebnisse, besondere Beziehungen und kleine wie große Entwicklungsschritte, die diese Aufgabe so wertvoll machen.