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Träume deuten bei Kindern? Das rät die Expertin den Eltern

Traumdeutung

Träume deuten bei Kindern? Das rät die Expertin den Eltern

Die Psychologin, Psychotherapeutin und Schlafcoachin Dr. Brigitte Holzinger ist Obfrau des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien (mit Zweigstelle in Niederösterreich) und gibt unter anderem Seminare zum Thema „Träume und Albträume bei Kindern und Jugendlichen“. Sie findet, dass Träume generell zu wenig beachtet werden. Zuhören lohne sich immer, wenn jemand einen Traum erzählen möchte.

Träume deuten: Warum träumen Kinder?

Leider wissen wir das nicht. Was wir wissen: Erwachsene träumen, um ihre Emotionen zu regulieren. Zusätzlich deuten Studien darauf hin, dass Menschen im Traum ihre Wahrnehmungen des Tages verarbeiten und dadurch dazulernen. Man sagt, dass sich die Neuroplastizität im Schlaf abspielt. Das heißt: Im Gehirn werden während des Schlafens und Träumens neue neuronale Verknüpfungen hergestellt.

Was träumen Kinder häufig?

Kinder träumen viel häufiger als Erwachsene von Tieren, das haben Studien gezeigt. Warum das so ist, wissen wir nicht genau. Es hat aber sicher auch damit zu tun, dass Kinder noch einen anderen Bezug zu Tieren haben. Sie nehmen sie nicht hauptsächlich als Nutztiere wahr, interessieren sich oft sehr für sie oder verbringen sogar viel Zeit mit ihnen.
Tipp der Redaktion: Ihr Kind interessiert sich für Tiere? Erfahren Sie hier, welche Haustiere für Kinder geeignet sind.

Wie könnte man Tierträume von Kindern deuten?

Darauf, wie sich kindliche Tierträume deuten lassen, gibt es keine pauschale Antwort. Jedes Kind und auch jeder ewachsene Mensch nimmt das Geträumte anders wahr. Die Bilder ähneln sich zwar, sind aber trotzdem sehr individuell. Wenn ein Kind zum Beispiel von einer Schlange träumen, lässt sich daraus nicht automatisch schlussfolgern, dass es von Mitschülerinnen oder Mitschülern verfolgt wird. Das wäre absolut unseriös. Charmant ist aber: Wenn man Kinder fragt, warum sie von einem bestimmten Tier geträumt haben, haben sie meist selbst eine Antwort parat. Diese bringt Erwachsene häufig zum Schmunzeln.

Inwiefern lassen sich Träume von Kindern generell deuten?

Wir Menschen glauben immer, wir müssten Träume oder die Träume deuten. Aber meistens kommt etwas Eigenartiges und Unbefriedigendes dabei heraus. Man muss Träume von Kindern auch überhaupt nicht deuten, das ist nicht wichtig. Traumdeutung ist nicht wissenschaftlich und geht auf das Mittelalter zurück. Der Traum ist in erster Linie kein Denkprozess, sondern ein Gefühlsprozess. Viel befriedigender als Träume von Kindern zu deuten ist, mit ihnen über das Geträumte zu reden. Während des Gesprächs kommen meist automatisch Zusammenhänge zu Erlebnissen oder Gefühlen auf, die sie tagsüber hatten. Das ist viel hilfreicher als der Versuch, die Träume zu deuten.

Warum sollten Eltern mit Kindern über ihre Träume reden?

Mit Kindern über Träume zu reden, zeigt ihnen, dass sie und ihre Gefühlswelt ernst genommen werden. Träume sind für uns Menschen generell etwas sehr Persönliches und Intimes. Wenn sich jemand dafür interessiert, fühlen wir uns in unserem Wesen gesehen. Man könnte Träume als die Urform von Kreativität und Fantasie betrachten: Durch innere Bilder werden Gefühle ausgedrückt. Häufig ist es Angst. Diese Gefühle werden beim Sprechen über den Traum ernst genommen. Das Reden hilft dabei, sie zu bewältigen, einzuordnen und vielleicht auch besser damit umzugehen.

Wie können Kinder sich durch die Beschäftigung mit ihren Träumen weiterentwickeln?

Durch das Reden über Träume ermutigen Eltern ihre Kinder in ihrer Fantasie und Kreativität. Anstatt diese zu unterdrücken, werden sie wichtig genommen. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung im Schlafcoaching gehe ich davon aus, dass das Reden über Träume sowohl Kreativität, Entwicklung und Lernfähigkeit als auch den Selbstwert des Kindes fördern.

Tipp der Redaktion: Nicht nur das Reden über das Träumen, auch spielen ohne Spielzeug unterstützt die Kreativität von Kindern.

Sind Albträume bei Kindern normal?

Davon geht man derzeit aus. In der Volksschulzeit sind die Albträume laut Studien am stärksten. Meine persönliche These ist, dass dies auch mit der plötzlichen Veränderung, dem Zurechtfinden im Schulbetrieb und dem stundenlangen Sitzen zusammenhängen könnte. Diese Form der Disziplin ist nicht gerade die beste Art, um die Kreativität und die Lust am Lernen der Kinder zu erhalten und zu fördern.
Tipp der Redaktion: Ihr Kind will Ihnen nichts von seinem Schulalltag erzählen? Mit diesen Tipps bekommen Sie Ihre Kinder zum Reden über die Schule.

Träume deuten: Wie können Kinder schlechte Träume bewältigen?

Auch hier hilft es wieder, darüber zu reden. Durch das Gespräch wird eine Entwicklung angestoßen und das Kind wird besser mit den Inhalten des Traums fertig. Die Angst wird kleiner. Das Kind kann den Traum in die eigene Gefühlswelt integrieren und lernt so generell, mit Ängsten umzugehen.

Tipp der Redaktion: Um Träume zu besprechen, eignet sich zum Beispiel ein Morgen-Ritual. Im Beitrag Rituale: Darum stärken sie Kinder, erfahren Sie alles dazu.

Wann sollten sich Eltern bei kindlichen Albträumen Sorgen machen?

Wenn der Traum eines Kindes andeutet, dass eine Person ihm etwas antun oder seine Grenzen verletzen könnte, sollten Eltern hellhörig werden. Auch wenn Kinder sehr lange und häufig Albträume haben und daraus kindliche Ängste entwickeln, ist das ein Warnzeichen für Eltern. Wenn einem das Kind tagsüber zusätzlich verändert vorkommt, sollte man handeln. In all diesen Fällen können Eltern sich professionelle Hilfe holen, etwa bei einer Kinderpsychologin oder einem Kinderpsychologen beziehungsweise einer Kindertherapeutin oder einem Kindertherapeuten.

Tipp der Redaktion: Das Ferienende kann bei Kindern oft Sorgen und Ängste hervorrufen. Wie Sie damit am besten umgehen, erfahren Sie im Beitrag Ferienende: 5 Tipps, mit denen der Übergang den Kids leichtfällt. Auch wenn Ihr Kind in der Schule gehänselt wird, kann das zu Albträumen führen. Erfahren Sie hier, was bei Mobbing in der Schule helfen kann.