Hausmittel bei Erkältung, Husten & Co. – Geheimtipps aus Europa
Wenn die Nase läuft und der Hals kratzt, greift man schnell zu Produkten aus der Apotheke. Doch in vielen europäischen Ländern vertrauen Menschen seit Generationen auf Hausmittel – von Zwiebelsirup über Kohlwickel bis zur klassischen Hühnersuppe.
Hausmittel bei Halsschmerzen
Wenn’s kratzt in Kehle und Rachen – warum nicht direkt dort ansetzen? Linderndes zum Schlucken bzw. Trinken gehört zu vielen traditionellen Heilungsgeheimnissen. So schwört man in Ungarn auf eine kraftvolle Kombination aus entzündungshemmenden Zutaten: 1 EL Honig mit etwas geriebenem Knoblauch. Milder wird der Mix in Kroatien verabreicht, indem man ihn in Milch aufkocht (100 ml pro EL Honig).
In Bosnien setzt man seit vielen Generationen auf warmen Apfelsirup, der mit seinem hohen Gehalt an Antioxidantien und Eisen das Immunsystem ganz natürlich boostert. Wie man diesen selbst herstellt? 2,5 kg Äpfel waschen und schälen, die Gehäuse entfernen. Die Äpfel in 1 l Wasser weich kochen, in einem Baumwolltuch über einem Topf abtropfen und über Nacht ruhen lassen. Den Saft mit 200 g Zucker für 10 Minuten aufkochen – fertig. 3 x täglich 1 EL, im Kühlschrank mehrere Tage haltbar.
Bei Mitteln zur äußeren Anwendung stehen Wickel seit jeher hoch im Kurs, etwa mit Schweine- oder Entenfett wie in der Slowakei. Das Fett, dem eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, sanft auf der Brust auftragen, mit einem warmen, aber nicht heißen Tuch abdecken. 1–2 Stunden einwirken lassen. Zusätzlich den Hals mit einem Schal schützen.
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Hausmittel gegen Husten
Manchmal treibt sie uns Tränen in die Augen, doch die Zwiebel hat dank ihrer bewährten antibakteriellen Effekte auch echte Helferqualitäten. So greift man in Tschechien bei hartnäckigem Husten zu diesem Sirup-Rezept: Eine geschälte, fein gehackte Zwiebel in einem Glas mit 3 EL Honig übergießen und abgedeckt 6–12 Stunden ziehen lassen. Sirup abseihen und im Kühlschrank aufbewahren. 3 x täglich 1 TL. In der Slowakei wird scharf & süß mit sauer kombiniert: Eine Zwiebel und eine Zitrone (enthält viel Abwehr-Booster-Vitamin C) in Scheiben schneiden, abwechselnd in ein verschließbares Glas schichten und 2 EL Honig dazugeben. 3–4 Stunden ziehen lassen, abseihen und nach Bedarf einnehmen.
Alternativen gewünscht? Da wird man z. B. in Bosnien fündig: Eine Handvoll Lorbeerblätter (diese wirken leicht antibakteriell) und ein paar Zitronenscheiben in 1 l Wasser für 10 Minuten aufkochen, abkühlen lassen und nach Gusto mit Honig süßen. Alle Sirups sind im Kühlschrank mehrere Tage haltbar. In Serbien macht man sich die entzündungshemmenden Wirkstoffe von Kohl in Form von Wickeln zunutze: Einige frische Kohlblätter kurz in heißes Wasser tauchen, mit Olivenöl bepinseln und auf die mit einem Tuch abgedeckte Brust legen. Mit einem weiteren Tuch fixieren. 1–2 x täglich 30–60 Minuten einwirken lassen.
Oma’s Geheimtipp:
Wohltat für Leib & Seele: Großmutters bewährte heiße Hühnersuppe spendet Kraft und Trost gleichermaßen. Das Huhn liefert Zink und Kalium, das Suppengrün u. a. wichtige Vitamine – und die Wärme die benötigte Entspannung.
Hausmittel bei Schnupfen
Aufschnaufen wär’ jetzt schön? In Ungarn und Kroatien empfiehlt man dazu Inhalieren, z. B. so: Eine halbe Handvoll getrocknete Minzblätter (enthalten antibakteriell wirkendes Menthol) oder Kamillenblüten (für schnelleres Abschwellen) in einen Topf mit heißem Wasser geben, kurz ziehen, dann etwas abkühlen lassen und mit einem Handtuch über dem Kopf ca. 10 Minuten inhalieren.
Tschechische Schnupfen-Leidende behelfen sich mit einer schleimlösenden Salzwasser-Spülung, die die Atemwege wieder frei machen soll. Dazu 1 TL Salz in 500 ml lauwarmes Wasser geben und damit die Nase 1–2 x täglich mit einer Pipette durchspülen oder/und mehrmals täglich für ca. 10 Sekunden gurgeln. Sollte man folgenden serbischen Tipp am Geruch wahrnehmen, dann war er vermutlich erfolgreich: Damit ihre Aromen die verstopfte Nase ordentlich zum Laufen bringen können, wird eine große Zwiebel aufgeschnitten auf den Nachttisch gelegt. Bei Haut- oder Augenreizungen besser darauf verzichten – und immer empfiehlt sich: danach gut durchlüften.
Hausmittel gegen Fieber
Bei deutlich erhöhter Temperatur gilt: Diese kann ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkältung oder andere Erkrankung sein – dauert der Zustand länger an, sollte daher unbedingt ein Arzt aufgesucht werden! Um leichtes Fieber „runterzukühlen“, setzt man in Bosnien auf Fußwickel aus geriebenen Erdäpfeln, die die Wärme aufnehmen sollen. So geht’s: Einen großen rohen Erdapfel reiben, in ein dünnes Baumwolltuch geben und dieses um beide Füße wickeln. Mit einem zweiten Wickel fixieren und nach ca. 1–2 Stunden wieder abnehmen. In Slowenien wendet man dieselbe Technik mit einer anderen Powerpflanze an – einer klein geschnittenen Zwiebel.
Allgemeine Schwäche
Um im Wortsinn wieder so richtig auf die Beine zu kommen, ist vielerorts eine nährstoffreiche Hühnersuppe das Hausmittel der Wahl – so auch in Ungarn und der Slowakei. Und zwar z. B. nach diesem Rezept: Ein Bund Suppengrün waschen, schneiden und mit etwas Öl in einem Topf anschwitzen. Ein Suppenhuhn (ca. 2,2 kg) hinzugeben und anbraten lassen. 3,5 l Wasser und 2 EL Gemüsebrühe dazugeben, alles zum Kochen bringen, mit drei Lorbeerblättern und ein paar Pfefferkörnern für 2–3 Stunden bei niedriger Hitze köcheln lassen. Fett mit einem kleinen Sieb abschöpfen. Fleisch vom Knochen entfernen, Suppengrün abgießen – und schön warm servieren. Wenn’s schneller gehen muss: In Slowenien reicht man zur Stärkung des Immunsystems warme Milch mit Honig oder heißen Tee mit Propolistropfen. Diese enthalten das von Bienen produzierte nährstoffreiche Harz, das unter anderem Heilungsprozesse beschleunigen soll.