Drei junge Frauen lehnen sich aneinander und beweisen dabei Empathie und Einfühlungsvermögen
Dialog der Gefühle

Empathisch sein: 7 Fakten zum Einfühlungsvermögen

Wer empathisch ist, kann sich gut in andere hineinfühlen. Allerdings sind nicht alle Menschen gleich mitfühlend. Doch das lässt sich ändern.

Empathie sei „das revolutionärste aller Gefühle“, hat die Feministin Gloria Steinem einmal gesagt. Ohne Einfühlungsvermögen ist es kaum möglich, andere Menschen wirklich zu verstehen. Für die Weisheitsforscherin Judith Glück ist Mitgefühl eine der fünf Ressourcen, aus denen Weisheit entstehen kann.

Allerdings ist Empathie nicht bei allen Leuten gleich stark ausgeprägt. Manche Menschen scheinen enormes Mitgefühl zu haben, während andere völlig unsensibel wirken. Wieso ist Empathie so wichtig? Ist es eine Veranlagungssache? Und was bestimmt, wie empathisch ich sein kann?

Empathisch sein: 7 Fakten zum Einfühlungsvermögen

1. Empathie ist Veranlagungssache – aber auch erlernbar

Bis zu einem bestimmten Grad ist jeder Mensch empathisch. Babys kommen mit dieser Kompetenz auf die Welt, schon Neugeborene können Gesichtsausdrücke imitieren. Dank sogenannter Spiegelneuronen können wir Emotionen und Gefühle mitspüren, wenn jemand sie durch seine Mimik zum Ausdruck bringt.

Diese Eigenschaft ist aber nicht bei jedem im gleichen Ausmaß ausgebildet. Es gibt Kinder, die so stark empathisch sind, dass sie viele Dinge schwer aushalten – und andere, die „robuster“ sind. Wie lange ein Kind braucht, Empathie zu lernen ist komplett verschieden. Doch man kann das Einfühlungsvermögen und die soziale Ader trainieren. Etwa, indem man Kindern seine eigenen Gefühle kommuniziert und Mitgefühl auch wirklich vorlebt.

2. Wieso es sich lohnt, empathisch zu sein

Ein Beispiel: Wenn ich mitbekomme, was andere Leute in einer Sitzung empfinden, kann ich mich besser darauf einstellen – und vielleicht mein Vorhaben durchsetzen. Wenn ich ein weiser Mensch bin, geht es mir primär allerdings nicht darum. Sondern ich will mit anderen mitfühlen, um sie zu unterstützen.

Gleichzeitig ist Einfühlungsvermögen ein Grund, warum man überhaupt weiser wird: Wenn mir nicht egal ist, wie es anderen Leuten geht, ist es wahrscheinlicher, dass ich versuchen werde, Dinge aus ihrer Perspektive zu sehen. Außerdem lerne ich dabei viel über die Unterschiedlichkeit der Menschen.

3. Mitgefühl lernen: Aufmerksam sein und zuhören

Wie kann ich Mitgefühl nun wirklich lernen? Wir können versuchen, mehr zu beobachten, wie andere Leute fühlen. Und anderen Menschen zuhören. Dabei sollten wir versuchen, die richtigen Fragen zu stellen. Weise Menschen sind oft sehr gute Zuhörer, weil sie wirklich versuchen zu verstehen, worum es geht. Und weil sie nicht nur beweisen wollen, wie schlau sie sind und welche tollen Ratschläge sie geben können.

4. Wir sind nicht immer gleich empathisch

Wir können unsere Empathie abschalten. Wenn wir jemanden als ähnlich, zur gleichen Gruppe oder zur Familie gehörig einstufen, sind wir schnell in der Lage, mit der Person mitzufühlen. Wenn wir aber jemanden als fremd empfinden, können wir unsere Empathie ganz leicht ausschalten.

5. Was hilft, sich in Ältere hineinzufühlen

Sich als junger Mensch in alte Personen hineinzufühlen, ist schwer. In Studien hat man Menschen spezielle Kleidung anziehen lassen, mit denen das Gehen sehr viel schwerer wird, und ihnen Brillen aufsetzt, mit denen sie unschärfer sehen. Dadurch lassen sich die Rahmenbedingungen des Altseins ganz gut vor Augen führen. Schwieriger ist es mit dem Gesamtgefühl, das sich daraus ergibt, auf ein Leben zurückzuschauen. Was dabei hilft, sich das vorzustellen: mit alten Menschen zu redet und sich wirklich auf sie einzulassen.

6. Wie man empathisch mit Jüngeren ist

Umgekehrt sind alte Menschen nicht automatisch in der Lage, zu akzeptieren, wie man sich mit 20 fühlt. Gerade aufgrund der eigenen Lebenserfahrung tut man sich oft schwer, Leute ernst zu nehmen, die wesentlich jünger sind. Ein wirklich weiser Mensch kann das: Denn er weiß noch, wie sich das angefühlt hat und dass diese Probleme wirklich schwerwiegend waren – zumindest subjektiv betrachtet.

7. Empathisch sein: Gibt es Geschlechterunterschiede?

Es gibt Studien, die nachweisen: Im Durchschnitt sind Frauen mitfühlender. Wobei man darüber diskutieren kann, ob das angeboren oder durch Rollenbilder erlernt ist. Ist es automatisch ein Vorteil, empathischer zu sein? Schwer zu sagen: Es gehört zwar zur Weisheit definitiv ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen, aber es kommt auch darauf an, was man daraus macht.

Es kann ja auch ein Zuviel an Einfühlung geben. Das heißt: Ich kann mich komplett in die Gefühle der besten Freundin hineinsteigern und gemeinsam mit ihr völlig unweise auf jemanden losgehen. Zur Weisheit gehört aber auch die Bereitschaft, kritisch zu hinterfragen, was man fühlt – oder mitfühlt.

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