Geht der Welt das Trinkwasser aus? Ein Report über eine bedrohte Ressource
Zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt, doch nur ein verschwindender Bruchteil davon ist als Trinkwasser verfügbar. Gleichzeitig steigt der Bedarf. Wie steht es um diese kostbare, aber endliche Ressource?
Vor mehr als vier Milliarden Jahren brachten Kometen aus Staub und Eis vom Rande des Sonnensystems das Wasser auf unseren Planeten. Seitdem gibt es den Wasserkreislauf: Es verdunstet von den Ozeanen und dem Festland, gelangt als Dampf in die Atmosphäre, kondensiert dort und fällt als Niederschlag wieder herunter. So bleibt die Gesamtmenge insgesamt nahezu konstant (abgesehen von großen Meteoriteneinschlägen, wo größere Mengel hinzukommen oder herausgeschleudert werden).
Doch der Mensch hat den Wasserkreislauf nachhaltig beeinträchtigt. Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zur Gesamtwassermenge kann sich die Menge an nutzbarem Wasser durchaus verringern. Und diese ist ohnehin sehr limitiert. Nur 2,5 Prozent der globalen Wasserreserven sind Süßwasser. Das entspricht 35 Millionen Kubikkilometern. Doch lediglich 0,3 Prozent davon sind für den Menschen zugänglich. Denn ein Großteil des Süßwassers ist in den Polargletschern gebunden oder befindet sich tief unter der Erdoberfläche. Zudem gelten zwölf Millionen Kubikkilometer Süßwasser bereits als verschmutzt.
Doch der Mensch hat den Wasserkreislauf nachhaltig beeinträchtigt. Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zur Gesamtwassermenge kann sich die Menge an nutzbarem Wasser durchaus verringern. Und diese ist ohnehin sehr limitiert. Nur 2,5 Prozent der globalen Wasserreserven sind Süßwasser. Das entspricht 35 Millionen Kubikkilometern. Doch lediglich 0,3 Prozent davon sind für den Menschen zugänglich. Denn ein Großteil des Süßwassers ist in den Polargletschern gebunden oder befindet sich tief unter der Erdoberfläche. Zudem gelten zwölf Millionen Kubikkilometer Süßwasser bereits als verschmutzt.
Was unser Trinkwasser bedroht
Der heutige menschliche Wasserbedarf ist im Vergleich zum Jahr 1930 rund sechs Mal so hoch. Seit den 1980er-Jahren steigt er jährlich um etwa ein Prozent. Verschwendung und Verschmutzung sind ein großes Problem. Einerseits geht das auf das Wachstum der Weltbevölkerung zurück. Doch besonders viele Ressourcen verbraucht der westliche Lebensstil. Die rund 130 Liter Wasser aus der Leitung, die täglich pro Kopf in Österreich fürs Waschen, Kochen, Duschen und Trinken genutzt werden, fallen bei Weitem nicht so stark ins Gewicht wie der sogenannte virtuelle Wasserverbrauch von täglich 4.700 Liter pro Kopf, der bei der Produktion von Waren verbraucht, verschmutzt oder verdampft wird. Zur Veranschaulichung: In einem Rindfleisch-Burger oder einem T-Shirt stecken etwa rund 2.500 Liter Wasser.Den virtuellen Wasserverbrauch senken
Jeder ist gefordert, den virtuellen Wasserverbrauch zu senken und generell Wasser zu sparen. Weniger zu kaufen und einen minimalistischen Lebensstil zu pflegen, ist ein erster Schritt. „Tragen wir unsere Kleidung möglichst lange, nutzen wir Secondhand statt neu zu kaufen, und statt Produkte wegzuwerfen, lassen wir sie reparieren“, fordert Anna Leitner, Sprecherin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 für das Thema Ressourcen. „Hier ist die Politik gefragt, damit die Rahmenbedingungen ein ressourcen- und wasserschonendes Leben einfacher machen.“ Auch die Ernährung ist ein Hebel, bei dem sich das Ansetzen lohnt – immerhin ist die Landwirtschaft, global betrachtet, für etwa 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs verantwortlich. Bedeutet: Statt zu wasserintentiven Rindfleischprodukten lieber zum Hendl greifen oder sich öfter mal einen Tag lang fleischlos oder sogar vegan zu ernähren. „Obst und Gemüse aus trockenen Regionen, in denen viel künstlich bewässert wird, lassen sich auch leicht umgehen“, rät Leitner.Die Politik ist gefragt
Doch nicht nur das private Konsumverhalten, auch Defizite in Wasserpolitik und im Wassermanagement sind schuld, dass es immer weniger trinkbares Wasser gibt. Beispielsweise versickern laut der EurEau (The European Federation of National Associations of Water Services) in Europa bis zu 23 Prozent des Trinkwassers aufgrund von maroden oder undichten Leitungen.Klimakrise = Wasserkrise
Nicht zuletzt verschärft die Klimakrise die Wasserknappheit. Durch die steigenden Temperaturen verdampft mehr Wasser in die Atmosphäre, heftige Niederschläge sind in der Menge oft nicht nutzbar und parallel dazu verlängern sich Trockenphasen. Einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zufolge könnten bis 2050 jährlich 32 Millionen Menschen durch Klima- und Wasserkrisen innerhalb ihres Landes, weitere elf Millionen über Landesgrenzen hinweg vertrieben werden. Doch auch in Europa werden die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels offensichtlich: Seit 1850 hat sich laut dem Klimadashboard die Anzahl der Gletscher in den europäischen Alpen und zwei Drittel reduziert. In 80 Jahren könnten diese natürlichen Wasserspeicher weitestgehend verschwunden sein.Warum es eigentlich genug Wasser für alle gibt
Nicht die Menge des global vorhandenen Wassers ist der Grund für die Unterversorgung in einigen Weltregionen. Denn Schätzungen der NGO Wellfair zufolge könnte damit eine Erdbevölkerung von rund 20 Milliarden Menschen versorgt werden. Nein, es ist vielmehr eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit und der Zugänglichkeit. Am 28. Juli 2010 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Allerdings: Dieses Recht ist weder bindend noch einklagbar.Ungleiche Verteilung von Trinkwasser
Vom Ziel der UNO-Mitgliedsstaaten, bis zum Jahr 2030 allen Menschen sauberes Trinkwasser zu gewährleisten, ist man aktuell noch weit entfernt, das ergibt der jährlich herausgegebene UNO-Weltwasserbericht mit jeweils wechselndem Themenschwerpunkt. Über drei Milliarden leben in Ländern mit Wassermangel. 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Wasser – das ist ein Viertel der Weltbevölkerung. Sicheres Wasser ist in der Nähe des Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und frei von Verunreinigungen. Zu den betroffenen Regionen zählen neben zentral- und nordafrikanischen Ländern auch Mexiko, China und Südeuropa.Diskriminierung bei der Wasserversorgung
Marginalisierte Gruppen – etwa Frauen, Kinder, Flüchtlinge, indigene Völker, Menschen mit Behinderungen – werden beim Zugang zu Wasser oft übersehen oder diskriminiert. In sieben von zehn Haushalten ohne Wasseranschluss sind die Frauen und Mädchen für das Wasserholen zuständig. Oft müssen sie weite Strecken überwinden, sind dem Risiko von gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt und können in der Zeit weder Geld verdienen noch lernen oder spielen. Die Diskriminierung betrifft übrigens auch reiche Länder: So haben Roma in der Slowakei, in Italien und Frankreich, Schwarze in den USA und Indigene in Australien einen schlechteren Zugang zu Wasser.Zudem gibt es bei der Wasserversorgung ein Stadt-Land-Gefälle. Laut der Weltgesundheitsorganisation und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) haben 86 Prozent der Menschen in urbanen Gebieten eine sichere Wasserversorgung, während es in ländlichen Regionen nur 60 Prozent sind. Nicht zuletzt liegt das daran, dass Ballungsräume ihr Wasser oft aus dem Umland beziehen – wo es dann fehlt. Aber auch Großstädte wie Kairo, Los Angeles, Kapstadt oder Athen sind von Wasserknappheit betroffen. Insbesondere in Entwicklungsländern werde die Stadtplanung nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten können, befürchtet die UNO-Wasser-Koordinierungsstelle.
Wer am Geschäft mit dem Trinkwasser verdient
Ums Wasser hat sich ein Milliardenmarkt entwickelt. Weltweit werden pro Minute mehr als eine Million Wasserflaschen verkauft. Gleichzeitig bleiben Bemühungen, alle Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, auf der Strecke, kritisiert der UNO-Weltwasserbericht aus dem Jahr 2023. Demnach fehle es an Transparenz, wie viel Wasser von Unternehmen wie Coca-Cola, Nestlé & Co. aus natürlichen Quellen zu billigen Preisen abgezapft wird, um es für ein Vielfaches zu verkaufen.Umgekehrt darf man das Abfüllen und Verkaufen von Wasser in Flaschen auch nicht verteufeln. Oft ist es die einzige Möglichkeit der Menschen vor Ort, an unbelastetes Trinkwasser zu kommen. Die Wasserversorgung privaten, gewinnorientierten Unternehmen zu überlassen, ist aber keine zukunftsträchtige Option. Hier ist die Politik gefordert – die vielerorts versagt. Laut dem UNO-Bericht liegt es vor allem an Korruption im jeweiligen Land, dass die öffentliche Wasserversorgung unterfinanziert ist oder Hygienestandards nicht eingehalten werden.
Doch auch andere Branchen verdienen an der Ressource Wasser, es ist nur weniger offensichtlich als in der Wasserflaschenindustrie. „Unternehmen müssen für ihren Wasserverbrauch zur Verantwortung gezogen werden, und zwar entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette“, fordert Anna Leitner von GLOBAL 2000. Wer wasserintensive Produkte in trockenen Regionen produziere, solle einen Teil seiner Profite beispielsweise in die regionale Infrastruktur der Wasseraufbereitung investieren. „Ein starkes Lieferkettengesetz würde solche Maßnahmen verpflichtend machen“, erklärt Leitner.
Welche Wege aus der Wasserkrise führen
Weltweit gibt es zahlreiche Initiativen, die Hoffnung machen. Das SOURCE Pacific Drinking Water Project finanziert die Entwicklung, Installation und den Betrieb von Wasserkraftwerken in vier Inselentwicklungsländern, deren Wassersicherheit durch die Klimakrise gefährdet ist. Mittels Solarenergie wird Wasser aus der Luft gewonnen. Vielversprechend sind auch Ansätze, die gleichzeitig Armut und Geschlechterdiskriminierung mindern. Sogenannte Waterbank Schools sind Schulgebäude, deren Dachkonstruktion Regenwasser in eine zentrale Zisterne mit Keramikfiltersystem leitet. Sie versorgen Schulkinder, Lehrkräfte und umliegende Gemeinden mit Trinkwasser und entbinden Mädchen und Frauen von der Aufgabe des Wasserholens.Einen wesentlichen Beitrag leistet auch die Wissenschaft. Forschende am Massachusetts Institute of Technology haben einen biologisch abbaubaren Wasserfilter aus Holz entworfen, der bis zu 99 Prozent der Krankheitserreger aus kontaminiertem Wasser entfernt. Der sogenannte Detoxyfi-Filter wird aus Holzscheiben von Gingko- und Kieferbäumen hergestellt und bereits in Neu-Delhi als Trinkwasserfilter eingesetzt. Das Schweizer Startup Oxyle hat eine neue Möglichkeit entwickelt, um PFAS-Verbindungen aus Wasser zu filtern und zu zerstören. PFAS bedrohen die Gesundheit und Ökosysteme und sind auf natürlichem Weg nicht abbaubar, weshalb sie oft „Ewigkeitschemikalien“ genannt werden. Die Firma Waiwai Research & Design Agency arbeitet an umweltfreundlichere Meerwasserentsalzungsanlagen. Herkömmliche Anlagen leiten riesige Mengen Abwassersole ins Meer, die dort den Salzgehalt des Wassers, dessen Temperatur und Schwermetallkonzentration erhöht und die Tier- und Pflanzenwelt schädigt. Die Sole soll stattdessen zu einem zementartigen Baustoff umgewandelt werden – mit doppeltem Nutzen, denn die Betonherstellung verursacht weltweit 1,7 Prozent des Wasserverbrauchs.
Das sind nur einige wenige Beispiele von den vielen Bemühungen, mehr Wasser nutzbar zu machen, es gerechter zu verteilen und besser zu schützen. Und sie sind bitter notwendig. Denn darauf, dass uns Kometen neues Wasser auf die Erde bringen, können und sollten wir uns nicht verlassen.