Geht der Welt das Trinkwasser aus? Ein Report über eine bedrohte Ressource
Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert
Inhaltsverzeichnis
- Was unser Trinkwasser bedroht
- Den virtuellen Wasserverbrauch senken
- Die Politik ist gefragt
- Wie die Klimakrise die Wasserverfügbarkeit beeinflusst
- Warum Verteilung und Zugang entscheidend sind
- Ungleiche Verteilung von Trinkwasser
- Diskriminierung bei der Wasserversorgung
- Wer am Geschäft mit dem Trinkwasser verdient
- Welche Wege aus der Wasserkrise führen
Vor mehr als vier Milliarden Jahren brachten Kometen aus Staub und Eis vom Rande des Sonnensystems Wasser auf unseren Planeten. Seitdem gibt es den Wasserkreislauf: Wasser verdunstet von den Ozeanen und vom Festland, gelangt als Dampf in die Atmosphäre, kondensiert dort und fällt als Niederschlag wieder herunter. So bleibt die Gesamtmenge an Wasser auf der Erde insgesamt nahezu konstant.
Doch menschliche Eingriffe haben den Wasserkreislauf dauerhaft verändert. Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zur Gesamtwassermenge kann sich die Menge an nutzbarem Wasser regional deutlich verringern. Nur ein kleiner Teil der globalen Wasserreserven ist Süßwasser; davon ist wiederum nur ein Bruchteil für den Menschen direkt zugänglich. Denn ein Großteil des Süßwassers ist in Gletschern gebunden oder befindet sich tief unter der Erdoberfläche. Zudem ist in vielen Regionen Wasser durch Schadstoffe, Abwässer oder andere Einträge belastet.
Was unser Trinkwasser bedroht
Der menschliche Wasserbedarf ist im Laufe des vergangenen Jahrhunderts stark gestiegen. Seit den 1980er-Jahren nimmt er weiter zu. Verschwendung und Verschmutzung sind dabei große Probleme. Einerseits hängt das mit dem Wachstum der Weltbevölkerung zusammen. Andererseits entsteht ein erheblicher Teil des indirekten Wasserverbrauchs durch Konsumgüter und Ernährung.
Die rund 130 Liter Wasser aus der Leitung, die täglich pro Kopf in Österreich fürs Waschen, Kochen, Duschen und Trinken genutzt werden, fallen weniger stark ins Gewicht als der sogenannte virtuelle Wasserverbrauch. Damit ist Wasser gemeint, das bei der Herstellung von Waren verbraucht, verschmutzt oder verdampft wird. Besonders wasserintensiv können zum Beispiel Rindfleischprodukte oder Baumwollkleidung sein.
Den virtuellen Wasserverbrauch senken
Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren indirekten Wasserverbrauch vor allem über Konsumentscheidungen und Ernährung beeinflussen. Weniger zu kaufen, Kleidung länger zu tragen, Secondhand zu nutzen oder Produkte reparieren zu lassen, sind mögliche Schritte. Auch politische Rahmenbedingungen können helfen, Reparieren, Wiederverwenden, Secondhand-Käufe und wassersparende Produktionsweisen einfacher zu machen.
Auch die Ernährung ist ein Hebel, bei dem sich das Ansetzen lohnt: Global betrachtet entfällt ein großer Teil der Süßwassernutzung auf die Landwirtschaft. Statt häufiger zu Rindfleischprodukten zu greifen, kann man öfter Geflügel wählen oder einzelne Mahlzeiten fleischlos gestalten. Bei Obst und Gemüse kann man auf Herkunftsangaben achten und Produkte aus Regionen bevorzugen, in denen saisonal weniger künstliche Bewässerung nötig ist.
Die Politik ist gefragt
Doch nicht nur das private Konsumverhalten, auch Defizite in Wasserpolitik und Wassermanagement tragen dazu bei, dass in manchen Regionen weniger sicher nutzbares Trinkwasser verfügbar ist. Laut EurEau, dem europäischen Verband der nationalen Wasserverbände, gehen in Europa durch marode oder undichte Leitungen teils erhebliche Mengen Trinkwasser verloren.
Wie die Klimakrise die Wasserverfügbarkeit beeinflusst
Die Klimakrise kann regionale Wasserknappheit verstärken, etwa durch längere Trockenphasen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse. Durch steigendeTemperaturen kann mehr Wasser verdunsten; heftige Niederschläge sind zudem nicht immer gut nutzbar, wenn Wasser schnell abfließt, statt im Boden gespeichert zu werden.
Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge könnten Klima- und Wasserkrisen bis 2050 zu erheblichen Binnen- und grenzüberschreitenden Fluchtbewegungen beitragen. Auch in Europa werden die Veränderungen sichtbar: Laut Klimadashboard hat sich die Anzahl der Gletscher in den europäischen Alpen seit 1850 deutlich reduziert. Je nach Klimaszenario könnten viele alpine Gletscher bis zum Ende des Jahrhunderts weitgehend verschwinden.
Warum Verteilung und Zugang entscheidend sind
Nicht allein die global vorhandene Wassermenge ist der Grund für die Unterversorgung in einigen Weltregionen. Entscheidend sind vor allem Verteilung, Zugang, Infrastruktur und Wasserqualität. Am 28. Juli 2010 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Allerdings ist dieses Recht nicht überall rechtlich einklagbar.
Ungleiche Verteilung von Trinkwasser
Vom Ziel der UNO-Mitgliedsstaaten, bis zum Jahr 2030 allen Menschen sauberes Trinkwasser zu gewährleisten, ist die Welt aktuell noch weit entfernt. Das zeigt unter anderem der jährlich herausgegebene UNO-Weltwasserbericht. Milliarden Menschen leben in Regionen mit Wassermangel oder haben keinen verlässlichen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Sicheres Wasser ist in der Nähe des Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und frei von Verunreinigungen.
Zu den betroffenen Regionen zählen neben zentral- und nordafrikanischen Ländern auch Teile Mexikos, Chinas und Südeuropas.
Diskriminierung bei der Wasserversorgung
Marginalisierte Gruppen – etwa Frauen, Kinder, Geflüchtete, indigene Völker oder Menschen mit Behinderungen – werden beim Zugang zu Wasser oft übersehen oder diskriminiert. In vielen Haushalten ohne Wasseranschluss sind Frauen und Mädchen für das Wasserholen zuständig. Oft müssen sie weite Strecken überwinden, sind Risiken ausgesetzt und können in dieser Zeit weder Geld verdienen noch lernen oder spielen.
Die Diskriminierung betrifft auch wohlhabende Länder: So haben beispielsweise Roma in Teilen Europas, Schwarze Menschen in den USA und Indigene in Australien in manchen Regionen einen schlechteren Zugang zu sicherer Wasserversorgung.
Zudem gibt es bei der Wasserversorgung ein Stadt-Land-Gefälle. Laut Weltgesundheitsorganisation und UNICEF ist sichere Wasserversorgung in Städten häufiger verfügbar als in ländlichen Regionen. Nicht zuletzt liegt das daran, dass Ballungsräume ihr Wasser oft aus dem Umland beziehen – wo es dann fehlen kann. Aber auch Großstädte wie Kairo, Los Angeles, Kapstadt oder Athen sind von Wasserknappheit betroffen. Insbesondere in Entwicklungsländern kann die Stadtplanung mit dem Bevölkerungswachstum oft nur schwer Schritt halten.
Wer am Geschäft mit dem Trinkwasser verdient
Der Handel mit abgefülltem Wasser ist weltweit ein großer Markt. Gleichzeitig bleiben Bemühungen, alle Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, vielerorts hinter den politischen Zielen zurück. Der UNO-Weltwasserbericht kritisiert unter anderem fehlende Transparenz darüber, zu welchen Bedingungen Unternehmen Wasser aus natürlichen Quellen entnehmen und weiterverkaufen.
Umgekehrt darf man das Abfüllen und Verkaufen von Wasser in Flaschen nicht pauschal verteufeln. In manchen Regionen ist es für Menschen vor Ort eine der wenigen Möglichkeiten, an unbelastetes Trinkwasser zu kommen. Die Wasserversorgung privaten, gewinnorientierten Unternehmen zu überlassen, ist aus Sicht vieler Expertinnen und Experten jedoch keine ausreichende Lösung für eine verlässliche öffentliche Wasserversorgung. Hier ist die Politik gefordert – die vielerorts vor großen Herausforderungen steht. Laut UNO-Berichten können unter anderem Korruption, fehlende Investitionen und schwache Behörden dazu führen, dass öffentliche Wasserversorgung unterfinanziert ist oder Hygienestandards nicht eingehalten werden.
Doch auch andere Branchen nutzen die Ressource Wasser, oft weniger sichtbar als die Wasserflaschenindustrie. Unternehmen sollten ihren Wasserverbrauch entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette kennen und reduzieren, fordert Anna Leitner von GLOBAL 2000. Wer wasserintensive Produkte in trockenen Regionen produziere, könne beispielsweise in regionale Infrastruktur für Wasseraufbereitung investieren. Ein Lieferkettengesetz könnte Unternehmen stärker verpflichten, solche Auswirkungen entlang ihrer Lieferketten zu berücksichtigen.
Welche Wege aus der Wasserkrise führen
Weltweit gibt es zahlreiche Initiativen, die Hoffnung machen. Das SOURCE Pacific Drinking Water Project finanziert die Entwicklung, Installation und den Betrieb von Trinkwasseranlagen in vier Inselentwicklungsländern, deren Wasserversorgung durch veränderte Niederschlagsmuster und Extremwetterereignisse beeinträchtigt werden kann. Mittels Solarenergie wird Wasser aus der Luft gewonnen.
Vielversprechend sind auch Ansätze, die gleichzeitig Armut und Geschlechterdiskriminierung mindern. Sogenannte Waterbank Schools sind Schulgebäude, deren Dachkonstruktion Regenwasser in eine zentrale Zisterne mit Keramikfiltersystem leitet. Sie versorgen Schulkinder, Lehrkräfte und umliegende Gemeinden mit Trinkwasser und entbinden Mädchen und Frauen von der Aufgabe des Wasserholens.
Einen wesentlichen Beitrag leistet auch die Wissenschaft. Forschende am Massachusetts Institute of Technology haben einen Wasserfilter aus Holz entwickelt, der nach Angaben der Forschenden aus pflanzlichem Material besteht. In Labortests entfernte der Filter einen großen Teil bestimmter Krankheitserreger aus kontaminiertem Wasser. Der sogenannte Detoxyfi-Filter wird aus Holzscheiben von Gingko- und Kieferbäumen hergestellt und bereits in Neu-Delhi als Trinkwasserfilter eingesetzt.
Das Schweizer Startup Oxyle hat eine Möglichkeit entwickelt, um PFAS-Verbindungen aus Wasser zu filtern und zu zerstören. PFAS können je nach Verbindung und Konzentration Risiken für Gesundheit und Ökosysteme darstellen. Viele PFAS sind in der Umwelt sehr persistent und werden deshalb oft „Ewigkeitschemikalien“ genannt.
Die Firma Waiwai Research & Design Agency arbeitet an Meerwasserentsalzungsanlagen, bei denen die entstehende Sole weiterverwendet werden soll. Bei herkömmlichen Anlagen kann die Rückleitung konzentrierter Sole ins Meer lokal Salzgehalt, Temperatur und Stoffkonzentrationen beeinflussen und Ökosysteme belasten. Die Sole soll stattdessen zu einem zementartigen Baustoff umgewandelt werden. Die tatsächliche Wirkung hängt davon ab, ob das Verfahren in der Praxis zuverlässig, sicher und in größerem Maßstab eingesetzt werden kann.
Das sind nur einige wenige Beispiele von den vielen Bemühungen, mehr Wasser nutzbar zu machen, es gerechter zu verteilen und besser zu schützen. Und sie sind dringend notwendig. Denn darauf, dass uns Kometen neues Wasser auf die Erde bringen, können und sollten wir uns nicht verlassen.
Quellenhinweis: Die im Text genannten Entwicklungen und Beispiele beziehen sich unter anderem auf Berichte und Angaben der Vereinten Nationen, WHO/UNICEF, EurEau, Klimadashboard, Boston Consulting Group, GLOBAL 2000 sowie auf Veröffentlichungen der genannten Forschungs- und Projektträger. Werte und Einschätzungen können je nach Erhebungsmethode, Region und Bezugsjahr variieren.