Frau vor Kakteenwand
4 von 10 Schwangeren betroffen

Schwangerschaftsdiabetes: Was werdende Mütter wissen sollten

Schwangerschaftsdiabetes kann symptomlos verlaufen und wird oft erst während der fortgeschrittenen Schwangerschaft festgestellt. Deshalb geht die Welt nicht unter, doch auf den Diabetes sollten Sie auf jeden Fall richtig reagieren!

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Krankheit, die mehr Frauen betrifft, als man denkt: Rund vier von zehn Schwangeren sind davon betroffen. Während viele Schwangere über SchlafproblemeÜbelkeitSodbrennen und andere Beschwerden klagen, verläuft der Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, oft symptomlos. Und wird dann erst durch den im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebenen oralen Glukose-Toleranztest diagnostiziert, der zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche Pflicht für werdende Mütter ist.

Die Krankheit kann jede werdende Mutter treffen und unbehandelt ernste Folgen für Mutter und Kind haben. Darum sagen wir Ihnen, was Sie darüber wissen müssen.

Schwangerschaftsdiabetes: Was ist das?

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die erstmals während der Schwangerschaft auftritt. Im Fachjargon spricht man auch von Typ-4-Diabetes. Der Blutzuckerspiegel erhöht sich bei jeder Frau in der Schwangerschaft, das ist völlig normal und eine Folge der hormonellen Umstellung und der Veränderung des Stoffwechsels.

Durch diese Umstellung entsteht eine zunehmende Insulinresistenz. Das heißt, die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, wodurch weniger Zucker in die Zellen abtransportiert werden kann und so mehr Zucker im Blut zurückbleibt.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche etwa produziert die Bauchspeicheldrüse dann mehr Insulin, um die Insulinresistenz auszugleichen. Wenn das nicht reicht, um den Zucker im Körper ausreichend zu verarbeiten, steigt der Blutzuckerspiegel weiter und wir sprechen von Schwangerschaftsdiabetes.

Ursachen für Gestationsdiabetes:

Die genauen Ursachen für Schwangerschaftsdiabetes sind noch nicht erforscht, aber man geht davon aus, dass sie denen von Diabetes mellitus Typ 2 ähneln. Das sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, fett- und zuckerreiche aber ballaststoffarme Ernährung, die Einnahme von Medikamenten, die den Zuckerstoffwechsel verschlechtern wie Blutdrucksenker sowie Vererbung.

Was sind Symptome für Schwangerschaftsdiabetes?

Ob Sie an Gestationsdiabetes erkrankt sind, bevor die Laborwerte des während der Schwangerschaftsvorsorge-Untersuchungen vorgeschriebenen Glukose-Toleranztests Gewissheit verschaffen, kann Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe an folgenden Symptomen erkennen:

  • Bluthochdruck
  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen oder Scheidenentzündungen
  • auffallende Gewichts- und Größenzunahme des Ungeborenen
  • erhöhte Fruchtwassermenge
  • Außerdem können Müdigkeit, starker Durst, Schwächegefühl, häufiges Urinieren und Schwindelgefühl auf Gestationsdiabetes hinweisen.

Welche Gefahren bestehen für Mutter und Kind?

1. Mögliche Folgen für die Mutter

Gestationsdiabetes verläuft oft ohne weitere Komplikationen, kann im Einzelfall jedoch schwere Folgen nach sich ziehen. Außer Infektionen im Harntrakt kann der Zucker für Bluthochdruck sorgen, bei betroffenen Frauen besteht außerdem eine höhere Wahrscheinlichkeit, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken oder in einer weiteren Schwangerschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent wieder Schwangerschaftsdiabetes zu bekommen. Auch eine seltene, aber lebensbedrohliche Schwangerschaftsvergiftung kann auftreten.

2. Mögliche Folgen für das Baby

Da das Blut der Mutter über die Plazenta zum Kind geleitet wird, erhöht auch das Baby seine Insulinproduktion. Insulin senkt jedoch nicht nur den Zuckerspiegel im Blut, sondern gilt auch als Wachstumshormon. Das Kind wird dadurch deutlich größer und schwerer. Zudem ist das Risiko einer Frühgeburt bei Schwangeren mit Gestationsdiabetes deutlich höher.

Neugeborene leiden oft an Hypoglykämie – einem Abfallen des Blutzuckers unter den Normalwert – und erhöhtem Sauerstoffbedarf. Außerdem sind sie anfälliger, später Stoffwechselstörungen zu entwickeln und übergewichtig zu werden.

Schwangerschaftsdiabetes: Was tun?

In den allermeisten Fällen lässt sich Schwangerschaftsdiabetes durch eine Ernährungsumstellung in den Griff bekommen. Außerdem wichtig: genügend Bewegung, zum Beispiel in Form von Walking, Radfahren oder Schwimmen. Wenn beides zusammen nicht hilft, verschreiben Arzt oder Ärztin Insulinspritzen.

Die richtige Ernährung

Wie viel essen? Pro Tag sollte eine Schwangere mit Gestationsdiabetes zwischen 1.800 und 2.400 Kilokalorien zu sich nehmen und das am besten in fünf bis sieben kleinen Mahlzeiten. Durch die vielen kleinen Mahlzeiten verhindern Sie Blutzuckerspitzen, der Blutzucker wird den ganzen Tag über in etwa auf dem gleichen Level gehalten.

Was essen? Bei der richtigen Ernährung in der Schwangerschaft gibt’s eh schon viel zu beachten. Für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes verschärfen sich die Regeln leider noch: Die richtige Zusammensetzung der Mahlzeiten besteht aus 40 bis 50 Prozent Kohlenhydraten, 30 Prozent Fetten und 20 bis 30 Prozent Proteinen. Vollkornprodukte sind zu bevorzugen. Tabu sind Fruchtsäfte und Süßigkeiten, pflanzliche Fette sind geeigneter als tierische und bei der Eiweißzufuhr gilt: möglichst auf fettarme Produkte zurückgreifen.

Zum Schluss die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen verschwindet der Diabetes nach der Geburt und der Stoffwechsel normalisiert sich von ganz alleine wieder.

Teilen: Artikel bei Facebook teilen Artikel bei Whatsapp teilen Artikel URL kopieren
Anzeige
Anzeige
Anzeige