Shilajit – eine Ärztin beantwortet die wichtigsten Fragen zu Einnahme und Wirkung
Nahezu sagenumwoben ist die Wirkung des Mineralharzes Shilajit, das unter anderem im Himalaya vorkommt. Doch ist es tatsächlich ein Energie-Booster? Diese und weitere wichtige Fragen zu Einnahme und Wirkung hat die Ärztin Dr. Janna Scharfenberg für ACTIVE BEAUTY beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Was ist Shilajit, Frau Dr. Scharfenberg?
- 2. Was bringt Shilajit wirklich? Kann es tatsächlich die Gesundheit unterstützen?
- 3. Shilajit nehmen oder lieber nicht? Was raten Sie als Ärztin?
- 4. Welche Wirkung hat Shilajit auf Frauen beziehungsweise auf Männer?
- 5. Wann, wie und wie oft kann man Shilajit einnehmen? Und wann tritt die Wirkung ein?
- 6. Wann sollte man Shilajit nicht einnehmen?
- 7. Hat Shilajit Nebenwirkungen?
- 8. Was ist der Unterschied zwischen Shilajit und Mumijo?
- 9. Hat Shilajit Auswirkungen auf die Psyche?
- 10. Kann Shilajit beim Abnehmen helfen?
- 11. Frau Dr. Scharfenberg, welches ist Ihr Fazit zu Shilajit?
Dr. Janna Scharfenberg ist Ärztin, Ayurveda-Expertin und Unternehmerin und verfolgt eine klare Vision: Gesundheit als Grundlage für echte Höchstleistung neu zu definieren. In ihrer Arbeit verbindet sie moderne Medizin, funktionelle Ansätze und die alte Weisheit des Ayurveda zu einem ganzheitlichen Rahmen für ein ambitioniertes und zugleich zutiefst ausgeglichenes Leben.
1. Was ist Shilajit, Frau Dr. Scharfenberg?
Shilajit bedeutet auf Sanskrit „Eroberer des Berges“ oder „Zerstörer der Schwäche“. Dabei handelt es sich um eine harzartige Substanz, die in den Felsspalten des Himalaya, des Altai und anderer Hochgebirge vorkommt. Shilajit entsteht durch die jahrhundertelange Zersetzung einheimischer Pflanzen und enthält dadurch eine erhebliche Menge an bioaktiven Substanzen. In der Ayurveda zählt es zu den Rasayanas, den verjüngenden Substanzen, und gehört zu den am längsten verwendeten Adaptogenen überhaupt. Seine wichtigsten Wirkstoffe sind Fulvinsäure, Huminsäure sowie über 80 Mineralien und bioaktive organische Verbindungen.
2. Was bringt Shilajit wirklich? Kann es tatsächlich die Gesundheit unterstützen?
Die ehrliche Antwort lautet: Das Potenzial ist real, der Hype ist aus meiner Sicht jedoch übertrieben. Die wissenschaftliche Datenlage ist zwar interessant, aber noch sehr begrenzt. Es gibt bereits mehrere Humanstudien und Reviews. Dennoch fehlen in vielen Bereichen große, unabhängige Langzeitstudien. Viele Aussagen basieren auf kleinen Studien oder präklinischen Daten. Deshalb sind vorsichtige Formulierungen wie „kann unterstützen“ oder „es gibt Hinweise“ wissenschaftlich seriöser als wunderverheißende Werbeversprechen. Die Evidenz zeigt bei Shilajit jedoch tatsächlich antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften, eine Unterstützung der Mitochondrienfunktion und Energieproduktion sowie mögliche Effekte auf Knochen, das Hormonsystem, die kognitive Funktion und die Regeneration. Als Ärztin betrachte ich Shilajit nicht als Wundermittel, sondern als interessantes Adaptogen mit einer jahrtausendealten Tradition und einer wachsenden wissenschaftlichen Basis, das in einem integrativen Gesundheitskonzept seinen Platz haben kann.
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3. Shilajit nehmen oder lieber nicht? Was raten Sie als Ärztin?
Ich betrachte Shilajit durch drei verschiedene Brillen: die ayurvedische Tradition, die funktionsmedizinische Evidenz und die klinische Nüchternheit. Aus ayurvedischer Sicht ist Shilajit ein klassisches Rasayana, das Ojas, also die Lebensenergie, stärkt und die Zellvitalität unterstützt. Aus funktionsmedizinischer Perspektive ist der Wirkmechanismus über Fulvinsäure und die Unterstützung der Mitochondrien plausibel. Aus klinischer Sicht ist die Qualität das Wichtigste. Deshalb darf nicht außer Acht gelassen werden, dass rohes, ungereinigtes Shilajit Schwermetalle und andere Kontaminanten enthalten kann. Da die Zusammensetzung und Reinheit stark variieren können, sind vertrauenswürdige Quellen und Schadstoffprüfungen entscheidend. Wer Shilajit also einnehmen möchte, sollte immer nur zu einem gereinigten, standardisierten Präparat greifen, idealerweise mit Lab-Zertifikat.
4. Welche Wirkung hat Shilajit auf Frauen beziehungsweise auf Männer?
Erste Humandaten zeigen eine verlangsamte Abnahme der Knochendichte bei postmenopausalen Frauen, die über einen Zeitraum von 48 Wochen täglich 250 bis 500 mg einnehmen. Eine weitere Studie zeigte eine verbesserte Hautmikrozirkulation. Die Hinweise zu den Auswirkungen auf Stress und Kognition sind aktuell noch begrenzt. Für Frauen in der Perimenopause oder Postmenopause ist die Knochengesundheit somit ein klinisch relevanter Ansatzpunkt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, auch wenn die Datenlage noch nicht abschließend ist. In einer Studie aus dem Jahr 2015 konnte nachgewiesen werden, dass sich der Testosteronspiegel von Männern durch die Gabe von Shilajit erhöhte. Dazu erhielten gesunde Männer im Alter zwischen 45 und 55 Jahren zweimal täglich 250 mg Shilajit über einen Zeitraum von 90 Tagen. In der Folge wurde eine deutliche Erhöhung von Testosteron, freiem Testosteron und DHEA festgestellt. Auch Fruchtbarkeit und Spermienqualität zeigen in kleineren Studien positive Trends. Einen gesicherten „Testosteron-Booster“ kann man Shilajit dennoch nicht nennen.
5. Wann, wie und wie oft kann man Shilajit einnehmen? Und wann tritt die Wirkung ein?
Auf Basis der Studienlage empfehle ich, mit einer niedrigen Dosierung zu starten, beispielsweise mit 250 mg gereinigtem Shilajit pro Tag. Nach drei bis sieben Tagen können Sie die Dosis auf 250 mg zweimal täglich (maximal 500 mg pro Tag) steigern, je nach Verträglichkeit. Am besten nehmen Sie es morgens zu einer Mahlzeit ein, bei Bedarf mittags eine zweite Dosis. Vermeiden Sie die Einnahme am Abend, da die energetisierende Wirkung den Schlaf stören kann. Die meisten Studien, die deutliche Effekte zeigen, beziehen sich beim Wirkungseintritt auf einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen kontinuierlicher Einnahme. Kurzfristige Wirkungen auf Energie und Fokus werden teils früher berichtet, sind aber individuell verschieden. Shilajit ist kein Supplement für den schnellen Fix, sondern für die konsequente, langfristige Einnahme.
6. Wann sollte man Shilajit nicht einnehmen?
Es gibt klare Kontraindikationen und Vorsichtsbereiche:
- Schwangerschaft, Stillzeit und Vorerkrankungen: Schwangere, stillende Frauen und auch Personen mit Vorerkrankungen sollten vor der Einnahme eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren.
- Eisenüberladung (Hämochromatose), da Fulvinsäure die Mineralstoffaufnahme beeinflusst.
- Autoimmunerkrankungen und Transplantationspatienten: Bei Transplantation und Autoimmunerkrankungen nur nach ärztlicher Freigabe und engmaschiger Kontrolle einsetzen.
- Blutdrucksenkende Medikamente, Blutverdünner, Insulin oder Sulfonylharnstoffe: Wechselwirkungen sind möglich, engmaschiges Monitoring notwendig.
- L-Thyroxin: 4 Stunden Abstand einhalten.
Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikation immer zuerst ärztliche Rücksprache halten!
7. Hat Shilajit Nebenwirkungen?
Gereinigtes, standardisiertes Shilajit war in mehreren Studien über einen Zeitraum von acht bis 14 Wochen gut verträglich. Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. In der Praxis treten bei empfindlichen Personen gelegentlich milde und meist vorübergehende Beschwerden auf. Diese werden häufig durch einen zu schnellen Dosisanstieg oder die Einnahme auf nüchternen Magen begünstigt. Typische Symptome sind dabei Übelkeit, weicher Stuhl, Durchfall, Bauchkrämpfe und Blähungen. Das größte Risiko liegt nicht in der Substanz selbst, sondern in der Qualität des Produkts. Wie bereits erwähnt, kann kontaminiertes oder ungereinigtes Shilajit Schwermetalle, Mykotoxine oder andere Verunreinigungen enthalten. Deshalb ist die Produktqualität hier keine Nebensache, sondern von entscheidender Bedeutung.
8. Was ist der Unterschied zwischen Shilajit und Mumijo?
Es handelt sich dabei um zwei Namen für dieselbe Substanz. „Mumijo“ ist die im deutschsprachigen und osteuropäischen Raum geläufige Bezeichnung. Sie ist insbesondere aus der russischen und zentralasiatischen Volksmedizin bekannt. „Shilajit“ ist dagegen ein aus der ayurvedischen Tradition stammender Sanskrit-Begriff. Inhaltlich und botanisch-mineralisch handelt es sich um dasselbe Material, wobei die regionalen Vorkommen leicht unterschiedliche Mineralstoffprofile aufweisen können.
9. Hat Shilajit Auswirkungen auf die Psyche?
Es gibt Hinweise darauf, dass Shilajit die kognitiven Funktionen und die geistige Klarheit fördern, die Konzentration steigern und das Gedächtnis unterstützen kann. In mehreren Studien untersuchten Forscher die Bedeutung der Inhaltsstoffe für die Gehirnaktivität und eine mögliche Alzheimer-Prävention. Sie stellten fest, dass Shilajit ein potenziell wirksames Mittel zur Verbesserung des Gedächtnisses sein könnte. Aus integrativ-medizinischer Sicht ist der Wirkmechanismus über die Mitochondriengesundheit und die Antioxidation nachvollziehbar. Wer auf zellulärer Ebene mehr Energie hat und weniger oxidativem Stress ausgesetzt ist, funktioniert auch kognitiv und emotional stabiler. Eine direkte psychoaktive Wirkung, wie sie bei Adaptogenen wie Ashwagandha oder Rhodiola beobachtet wird, ist jedoch nicht zu erwarten. Shilajit wirkt hier eher indirekt, über das Fundament der Zellgesundheit.
10. Kann Shilajit beim Abnehmen helfen?
In einer im „Journal of Medicinal Food“ veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass übergewichtige Personen, die Shilajit einnahmen, besser auf sportliche Betätigung reagierten als nicht sportlich aktive Personen. Es zeigte sich, dass Shilajit offenbar bestimmte Gene aktiviert, die den Muskeln dabei helfen, sich schnell an ein neues Training anzupassen. Shilajit macht jedoch nicht schlank. Aber es kann die Grundlage für eine bessere Körperkomposition schaffen, indem es mehr Energie liefert, eine bessere Trainingsanpassung ermöglicht, den Stoffwechsel unterstützt und die Regulationskraft erhöht.
11. Frau Dr. Scharfenberg, welches ist Ihr Fazit zu Shilajit?
Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle Ergänzung sein, sie ersetzen jedoch niemals die Grundlagen eines gesunden Lebensstils. Regelmäßige Bewegung und Krafttraining, eine ausgewogene Ernährung, ausreichender Schlaf und Regeneration sowie ein gesunder Umgang mit Stress bilden die Basis für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wenn diese Grundlagen fehlen, können auch Supplements nur begrenzt unterstützen. Wichtig ist außerdem: Nicht jedes Supplement ist für jede Person sinnvoll oder geeignet. Die genannten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnostik oder Behandlung! Insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder bei Unsicherheiten sollte die Einnahme immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.