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Das erste Mal: Mama, Papa, wie geht Sex?

Klartext, bitte!

Das erste Mal: Mama, Papa, wie geht Sex?

Mit den eigenen Kindern über Sexualität zu sprechen ist für Eltern nicht ganz einfach. Aber: Ausweichen gilt nicht! Je offener, umso besser.
„Mit uns kannst du über alles reden.“Diesen Satz sagen Mütter und Väter gern zu ihrem pubertierenden Nachwuchs. Und das ist gut so.
Denn gerade in der Pubertät tauchen oft Themen auf, die für Heranwachsende überfordernd sein können. Dazu gehört auch die erwachende Sexualität. Wie viel Intimität ist schon angebracht? Was mache ich, wenn die/der andere mehr will? Und wann ist der richtige Zeitpunkt für ein „erstes Mal“? Solche Fragen spuken Jugendlichen oft im Kopf herum.

Werden sie schließlich ausgesprochen, sind es oft die Eltern, die sich plötzlich überfordert fühlen. Kein Wunder: Schließlich haben sie ihren Nachwuchs bis dahin als asexuelle Wesen gesehen – und müssen sich selbst erst an den Gedanken gewöhnen, dass die Tochter zur Frau und der Sohn zum Mann wird. Trotzdem sollten Mütter und Väter nicht davor zurückschrecken, ihre Teenagertöchter und -söhne auf bevorstehende sexuelle Erfahrungen vorzubereiten. Denn der erste Geschlechtsverkehr ist für Jugendliche ein ganz besonderes Erlebnis, an das sie sich ihr ganzes Leben erinnern werden. Und ein offenes Gespräch kann viel dazu beitragen, dass daraus eine positive Erinnerung wird. Die folgenden Tipps können Eltern dabei helfen, ebenso zwanglos wie verantwortungsbewusst an diese Aufgabe heranzugehen.
 

„Erstes Mal“ ansprechen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Laut einer Umfrage des Statista Research Department erleben die meisten österreichischen Teenager ihren ersten Geschlechtsverkehr zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr. Bei immerhin 36 Prozent der Mädchen und 20 Prozent der Burschen findet er schon mit 14 oder 15 Jahren statt.

Spätestens wenn die Jugendlichen in einer Beziehung sind, ist klar: Jetzt könnte es bald zur Sache gehen. Doch auch Single-Teenies können spontan ihr erstes Mal erleben. Den Nachwuchs ungefragt mit guten Ratschlägen zu überhäufen ist dennoch keine sinnvolle Idee. Besser ist es, die Tür für Fragen zu öffnen, etwa durch Sätze wie: „Mir ist klar, dass in deinem Alter Sexualität ein Thema wird – und ich hätte gerne, dass du sie schön erlebst. Wenn du etwas wissen willst oder Sorgen hast, kannst du jederzeit zu mir kommen.“
 

Anfänger mit Vorkenntnissen: Wie aufgeklärt sind Jugendliche über das erste Mal?

Biologisch und technisch wissen die meisten Teenager dank Schule, Fernsehen und Internet bestens Bescheid. Ihnen zu erklären, dass die Babys nicht der Klapperstorch bringt, ist also überflüssig. Ob sie allerdings auch z.B. wissen, dass es gar kein Jungfernhäutchen gibt, das beim ersten Mal reißen kann? Sondern dass jede Frau ein Schleimhautkränzchen am Eingang der Vagina hat – ein Leben lang? Na, hätten Sie es gewusst?!
 
In den Bereichen Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten gibt es hingegen oft Wissenslücken bei den Pubertieren. Ist es möglich, während der Periode schwanger zu werden? Bin ich auf jeden Fall schwanger, wenn die Periode ausbleibt?  
 
Und auch bei emotionalen Aspekten herrscht Unsicherheit. Bei Überlegungen wie „Woran merke ich, dass es der/dem anderen gefällt und ob sie/er einverstanden ist?“ oder „Was mache ich bei einer Verhütungspanne?“ können Eltern eine wertvolle Hilfe sein. Das Gleiche gilt für Gespräche über die unterschiedlichen Wertvorstellungen, die Menschen in Bezug auf Sexualität und Partnerschaft haben.
 

Erstes Mal, ganz entspannt: Liebe ohne Leistungsdruck

Mütter und Väter können den Jugendlichen außerdem den Druck nehmen, den sie sich vielleicht selbst machen. Sie können ihr Kind wissen lassen, dass beim ersten Mal nicht immer alles klappt – weil die Aufregung zu groß oder der Mut zu klein ist – und dass es erlaubt ist, zu sagen: „Heute möchte ich doch lieber nicht.“ Umgekehrt sollte klar sein, dass der Rückzieher der/des anderen respektiert werden muss. Auch ein „Nein“, das kurz davor noch ein „Ja“ war, ist ein „Nein“.

Vor allem Eltern von Söhnen machen sich heute oft Sorgen, dass der frühe Konsum von Pornografie über das Smartphone zu unrealistischen Erwartungshaltungen führen könnte. Experten zufolge wissen die meisten Jugendlichen aber genau, dass Pornovideos kaum der Realität entsprechen. 
 
Verbote sind selten zielführend, weil sie zu Heimlichtuerei führen. Sinnvoller ist es, den Teenagern Raum für ihre eigenen Erfahrungen zu geben und auch hier für Fragen offen zu bleiben. Was nicht heißt, dass Eltern immer gleich Antworten parat haben müssen. Das Wichtigste ist das Verständnis für das Anliegen und das Liefern einer Lösung. Das gilt übrigens nicht nur bei Gesprächen über Sexualität – sondern bei allen Dingen, die Teenager ihren Eltern anvertrauen!