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was stimmt, was nicht?

Schwanger trotz Periode? Diese 2 Mythen stimmen nicht

Schwanger trotz Periode? Oder obwohl Sie Sex an unfruchtbaren Tagen hatten? Passiert angeblich immer wieder. Doch ist das tatsächlich möglich? Eine Gynäkologin klärt auf, was dahinterstecken kann.

Die Monatsblutung setzt ganz gewöhnlich ein, keine Auffälligkeiten und plötzlich: ein positiver Schwangerschaftstest. Kann eine Frau schwanger trotz Periode sein? Der Mythos hält sich jedenfalls auch heute noch hartnäckig, obwohl es ein wachsendes Bewusstsein rund um den weiblichen Zyklus gibt.

So verwenden immer mehr Frauen Zyklus-Apps, mit denen sie ihre Menstruation tracken und angeblich auch einschätzen können, wann die fruchtbaren Tage sind. Doch zuverlässig sind diese Apps nicht, sagt Gynäkologin Sigrid Schmidl-Amann: „Sie ersetzen lediglich das Dokumentieren der Regelblutung auf Papier.“ Der Grund: Oft greifen die Apps auf Durchschnittswerte zurück. Individuelle Faktoren, die den Zyklus und damit die fruchtbaren Tage beeinflussen können, werden dabei nicht berücksichtigt, kritisierte die Stiftung Warentest bereits 2017.

Wie wir unsere fruchtbaren Tage richtig berechnen und ob wir unsere Periode bekommen können, wenn wir schwanger sind oder Sex während der Periode haben, erklärt die Expertin:

Mythos 1: Es ist möglich, trotz Periode schwanger zu werden

Haben Sie auch schon von der Bekannten einer Bekannten gehört, die ganz normal ihre Periode hatte und ohne erste Schwangerschaftsanzeichen feststellte, schwanger zu sein? Dabei handelt es sich um einen ebenfalls weit verbreiteten Mythos. Wahrheitsgehalt: Null.

Blutungen, aber keine Periode: Zwar kann es am Anfang oder während einer Schwangerschaft immer wieder zu leichten Blutungen kommen, die Menstruation ist das aber definitiv nicht, sagt Dr. Sigrid Schmidl-Amann. „Oft handelt es sich am Anfang um Einnistungsblutungen. Oder es kann nach dem Geschlechtsverkehr zu leichten Blutungen kommen, da der Muttermund während einer Schwangerschaft sehr empfindlich ist. Regelmäßige Blutungen während einer Schwangerschaft sind mir jedoch nicht bekannt.“

Achtung: Treten während einer bestehenden, bestätigten Schwangerschaft Blutungen auf, sollten Sie diese unbedingt von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abklären lassen.

Eine Frage der Wahrnehmung: Verdrängt eine Frau eine Schwangerschaft, kann es sein, dass sie eine Schmierblutung mit ihrer Periode verwechselt. In der Regel ist diese aber gut von der Monatsblutung zu unterscheiden: „Schwangerschaftsblutungen sind von der Blutungsqualität, also von Farbe, Beschaffenheit und Geruch, ganz anders als die Menstruation.“

Verwechslung durch hormonelle Verhütung: Erhöht wird die Verwechslungsgefahr zwischen Einnistungs- und Schmierblutungen sowie der Periode, wenn Frauen hormonell verhüten und bereits davor keine Menstruation mehr hatten. „In 30 Jahren ist mir das aber nur einmal vorgekommen“, sagt die Gynäkologin. „Normalerweise bemerken Frauen durch die Schwangerschaft eine Veränderung in ihrem Körper.“

Mythos 2: Kann ich schwanger werden, wenn ich nur an unfruchtbaren Tagen Sex hatte?

Gleich vorweg: Die unfruchtbaren Tage lassen sich per Zyklus-App nicht zuverlässig bestimmen. Denn wann der Eisprung stattfindet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und kann von Monat zu Monat variieren.

Unzuverlässiger Eisprung: „In einem 28-tägigen Zyklus wäre der berechnete Eisprung am 14. Tag. Er könnte aber auch ein paar Tage früher und später sein, bedingt durch eine Krankheit oder bei akutem Stress“, sagt Schmidl-Amann. Hinzu kommt: Die Spermien können im Eileiter bis zu vier Tage lang überleben. Setzt der Eisprung früher oder später als laut App berechnet ein, kann es so zu einer Schwangerschaft an vermeintlich unfruchtbaren Tagen kommen.

Sichere Berechnung: Zur zuverlässigen Berechnung der fruchtbaren Tage empfiehlt die Frauenärztin Verhütungscomputer, die neben dem Zyklus-Tracking auch einen Hormonwert im Harn messen: „Das luteinisierende Hormon (LH) ist der Initialzünder für den Eisprung. Steigt es in der Harnprobe an, weiß ich, dass innerhalb von 36 Stunden der Eisprung stattfinden wird.“ Genauer eingrenzen lässt sich der Zeitpunkt nicht. Sie glauben, Ihren Eisprung zu spüren? Auch darin können wir uns laut Expertin täuschen: „Was viele Frauen spüren, ist die Dehnung des Eibläschens, das ziemlich groß wird, bevor es springt.“ Ein Beweis, dass der Eisprung stattgefunden hat, ist dieses Gefühl also nicht.

Zusätzliche Verhütung? Vor allem in der ersten, fruchtbaren Hälfte des Zyklus ist es auch bei Nutzung eines Computers daher empfehlenswert, zusätzlich zu verhüten. In der zweiten Zyklushälfte – nach dem Eisprung und vor dem ersten Tag der Periode – sind dann die tatsächlich unfruchtbaren Tage. Die Monatsblutung schützt aber keineswegs davor, schwanger zu werden, im Gegenteil. Denn während wir noch bluten, reift bereits die nächste Eizelle zur Befruchtung heran.  

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