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Freunde finden: So gelingt es mit den Tipps einer Freundschaftsexpertin
Text: Stephanie Lindner Silke Heuschmann

Best Friends Forever

Freunde finden: So gelingt es mit den Tipps einer Freundschaftsexpertin

Was für Kinder mühelos im Sandkasten klappt, ist für Erwachsene oft gar nicht so leicht. Dabei machen Freunde glücklich, gescheit und gesund. Eine Freundschaftsexpertin hat Tipps zum Freunde finden und verrät, wie man Beziehungen aufbaut und vertieft.

Die Psychologin und Freundschaftsexpertin Marisa G. Franco hat ein Buch darüber geschrieben, wie man Freunde finden und Freundschaften erhalten kann.

Warum sollten wir unbedingt Freunde finden?

  • Wir brauchen Freunde „wie die Luft zum Atmen“, sagt die New Yorker Psychologie-Professorin und Freundschaftsexpertin Marisa G. Franco in ihrem Buch „Wie wir Freundschaft finden und bewahren“.
  • Wer jemanden zum Reden hat, erkrankt zum Beispiel deutlich seltener an Depressionen.
  • Wir verkraften schwierige Situationen besser mit jemandem an unserer Seite.
  • Das eigene soziale Netzwerk trägt massiv zum persönlichen Glück bei.
  • Außerdem machen uns Freundschaften gesünder und lassen uns länger leben. Der Effekt übertrifft sogar Sport und gesunde Ernährung!
  • Freunde und Freundinnen sind oft kompatibler als Partner oder Partnerin, weil wir sie frei von sexuellem Interesse aussuchen. Beim Plausch mit Freundinnen reiht sich dann ein Thema nahtlos an das andere, das Bindungshormon Oxytocin wird ausgeschüttet und die Freundschaft gestärkt.
  • Freundschaften stärken das Vertrauen und lassen Vorurteile schrumpfen. Unsere Empathie, also die Fähigkeit mitzufühlen, wächst. Das geht so weit, dass wir unsere Vertrauten als eine Erweiterung unseres eigenen Selbst begreifen: Erzählt die Freundin uns von ihrem aufregenden Fallschirmsprung, fühlt es sich fast an, als hätten wir ihn selbst gemacht. Unser Horizont wird also weiter, unser Leben reicher.

Freunde finden: Mit diesen Tipps gelingt es!

1. Tipp: Gelegenheiten schaffen, um Freunde zu finden

Ob Literaturtreff, Beach-Volleyball-Gruppe oder Töpferkreis – der sogenannte „Nähe-Effekt“ sorgt dafür, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Freundschaft steigt, je öfter man sich sieht. Deshalb lieber regelmäßige Kurse als ein Wochenend-Event besuchen.

2. Tipp: Einfach Hallo sagen

Jeder hasst es, auf Partys oder Veranstaltungen zu sein, bei denen man niemanden kennt. Der Impuls: Flucht. Viel besser: einfach mal jemanden anzusprechen, sich vorzustellen, sich für den anderen zu interessieren.

3. Tipp: Aktiv werden, um Freunde zu finden

Machen Sie es wie Jane Fonda und werden Sie aktiv, wenn Sie an einer Freundschaft interessiert sind! Die meisten Menschen verstehen Freundschaft als etwas, das passiert, das ganz „natürlich“ über uns kommt. Dabei wird übersehen, dass es eine Aktion benötigt, damit zwei Menschen sich näherkommen. Dass es einen braucht, der nach der Telefonnummer fragt, einen, der in Worte fasst, dass er gern mehr mit dem Anderen zu tun hätte. Sonst gehen diese beiden, die sich eigentlich sympathisch finden, still auseinander, weil jeder denkt, der andere wolle wohl nicht so.

4. Tipp: Sich positiver sehen

Aus Studien weiß man, dass wir unsere Wirkung auf andere deutlich negativer einschätzen, als sie tatsächlich ist. Es hilft also enorm, sich vor einer Begegnung klarzumachen: Die Anderen mögen mich. Mit diesem Mindset ist das Kontakteknüpfen viel leichter. Danu Anthony Stinson, Professorin für Psychologie an der Victoria-Universität, nennt das „acceptance prophecy“: „Wenn die Menschen Akzeptanz erwarten, strahlen sie Wärme aus. Das bringt andere Leute dazu, sie zu akzeptieren. Erwarten sie hingegen Zurückweisung, geben sie sich kühler und erfahren natürlich weniger Akzeptanz.“ Zugegeben, das ist gar nicht so einfach. Erfahren Sie mehr darüber im Beitrag Glücklich werden mit mehr Selbstakzeptanz: So lernen wir es!

5. Tipp: Für Freunde die Prioritäten verschieben

In Filmen, Büchern, Gesprächen geht es oft um die romantische Liebe, um das Finden eines Partners, ums Verlieben, Heiraten ... Dabei sind Freundschaften mindestens ebenso wichtig für unser Lebensglück. Das darf sich auch in unserem Kalender und unserer Haltung dazu zeigen. Konkret heißt das: Auch wenn wir gerade einen neuen Partner gefunden haben, bleibt der Jour fixe mit der besten Freundin fest im Kalender!

Freundschaften aufrechterhalten: So geht‘s

Über Freundschaft gibt es viele weise Inspirationssprüche wie „Sei die Freundin, die du gern hättest“. Diese Tipps helfen im Detail, um Freundschaften zu bewahren:

1. Tipp: Die Freundschaft wie eine kostbare Blume pflegen

Statt Wasser und Dünger sind hier regelmäßige Anrufe, Verabredungen, Pläne und die aufmerksame Frage, wie es geht – sowie ein echtes Zuhören bei der Antwort – wichtig.

2. Tipp: Seine verletzlichen Seiten zeigen

Auch wenn es nicht ganz leicht ist und wir diese Seiten meist verbergen wollen: Es hilft weiter, unseren Kummer, unsere Scham, unsere Unsicherheiten zu teilen. Genau solche Momente vertiefen Freundschaften. Die Autorin Brenée Brown sagt dazu: „Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern der größte Ausdruck von Mut, den es gibt“. Denn natürlich kann man auch mal negative Reaktionen ernten. Deshalb: Vorsichtig starten und nur mit dem Menschen, der dafür offen ist.

3. Tipp: Zurückweisung nicht persönlich nehmen

Wenn sich im Leben etwas verändert, zum Beispiel weil Freunde Kinder bekommen, kann es sein, dass eine Freundschaft ausläuft. Das ist aber den neuen Lebensumständen geschuldet und hat nichts damit zu tun, dass wir jetzt weniger gemocht werden. In diesem Fall heißt es: Loslassen. Lesen Sie hier Tipps, wie Sie Freundschaften als Mama aufrecht erhalten können.

4. Tipp: Bedürfnisse ansprechen

Viel effektiver als ein stiller Rückzug ist es, offen zu sagen, welche unserer Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Der beste Weg: Treten Sie für sich ein und kommunizieren Sie in der Ich-Form, was Sie in der Freundschaft gerade brauchen würden. Verzichten Sie dabei auf Schuldzuweisungen. Wird die Kritik konstruktiv formuliert, kann das unter Umständen die Freundschaft sogar vertiefen.

5. Tipp: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Orientieren Sie sich hier an den Sprachen der Liebe und finden Sie heraus, welche der fünf Ihre Freunde und Freundinnen am meisten anspricht. Abhängig davon gibt es dann viele kleine nette Gesten, die die Freundschaft erhalten: Das kann ein selbstgebackener Kuchen, eine liebe Nachricht, das Auf-die-Kinder-Aufpassen sein, aber auch die Hilfe beim Erreichen von Zielen. Wichtig: sich nicht dabei aufzuopfern und seine Grenzen klar abzustecken.

6. Tipp: Zuneigung ausdrücken

Wir sind nicht sehr geübt darin, unseren Freunden zu sagen, wie sehr wir sie mögen. Aber genau das sorgt für Verbundenheit und Nähe und ist besonders wichtig, wenn Worte der Anerkennung die Liebessprache der Freundin oder des Freundes sind.

Buchtipp:

In ihrem Buch „Wie wir Freundschaft finden und bewahren“ gibt Marisa G. Franco viele konkrete Tipps, erklärt die psychologischen Hintergründe von Beziehungen und macht sie mit Beispielen erfreulich greifbar:

Wie wir Freundschaft finden und bewahren
Dr. Marisa G. Franco
Verlag: Ullstein

Fazit:

Freunde finden erfordert Eigeninitiative. Freundschaften sind wertvoll, man sollte sich regelmäßig um sie kümmern und die Freundschaftsbeziehung aktiv gestalten. Das wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das persönliche Glück aus.