Plastikfrei leben: Ist das überhaupt möglich und wenn ja, wie?
Zusammenfassung
Kunststoffe sind praktisch, aber sie schaden der Umwelt, dem Klima und der Gesundheit. Bio-Plastik (z.B. aus Maisstärke) ist keine echte Lösung, da es selten vollständig abgebaut wird. Zudem verbraucht die Herstellung Böden und Dünger. Plastikfrei zu leben, ist heutzutage schwer. Man kann aber darauf achten, weniger Plastik zu verbrauchen. Zum Beispiel durch das Einkaufen am Wochenmarkt oder in speziellen Geschäften (Unverpacktläden). Man kann auch eine Trinkflasche mitnehmen, anstatt eine neue Wasserflasche zu kaufen. Viel Plastik steckt auch in unserer Kleidung. In Österreich gibt es einen Verein namens Zero Waste Austria. Er fördert Ideen, wie man Plastikmüll vermeiden kann.
Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert
Kunststoffe sind aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Doch sie schädigen Umwelt, Klima und Gesundheit. Ein Umdenken muss her. Aber ist es überhaupt möglich, plastikfrei zu leben? Wo kann man plastikfrei einkaufen? Ist Bio-Plastik eine bessere Alternative? Wir haben uns angeschaut, wie sich Plastikmüll im Alltag reduzieren lässt.
Der globale Plastik-Boom in Zahlen
Ob in Kleidung, Verpackungen oder Spielzeugen – Plastik ist quasi überall zu finden. Eine Welt ohne Kunststoffe wie PVC, Polyethylen oder Polypropylen ist nicht denkbar. Diese drei zählen zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Kunststoffen. Laut einer 2025 veröffentlichten Studie wurden im Jahr 2022 global rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff hergestellt. Ganze 44 Prozent davon werden für Verpackungsmaterial verwendet. Die nächstgrößten Verbraucher sind die Bauindustrie und die Automobilbranche.In der EU liegt der jährliche Plastikkonsum bei 85,6 Kilogramm pro Kopf, in den USA sind es sogar 216 Kilogramm. In afrikanischen Ländern hingegen macht der Kunststoffverbrauch nur rund 13 Kilogramm pro Kopf und Jahr aus.
Expertinnen und Experten rechnen damit, dass die Produktion weiter rapide ansteigen wird. Bis 2050 soll sich die Plastikherstellung verdreifachen.
Warum ist Plastik ein Problem?
Kunststoffe haben viele nützliche Eigenschaften. Doch für die Umwelt, das Klima und die Gesundheit von Tieren, Pflanzen und Menschen sind diese mit schwerwiegenden Folgen verbunden.Klimaschädliche Produktion
Produkte mit kurzer Lebensdauer sowie Verpackungen landen schnell auf Müllhalden oder in Verbrennungsanlagen. Kunststoffverbindungen sind technisch und wirtschaftlich schwer wiederverwertbar, weil es sich dabei oft nicht um sogenannte „Monomaterialien“ handelt. Nur 9,5 Prozent des weltweit produzierten Plastiks stammen aus Recyclingmaterial. Der Großteil wird aus fossilen Ressourcen wie Erdöl und Gas produziert. Selbst in Österreich werden nur rund 28 Prozent des anfallenden Plastikmülls wiederverwertet, der Rest wird einfach verbrannt – was wiederum das Klima belastet.Neben den eingesetzten Rohstoffen ist auch der Herstellungsprozess selbst sehr schädlich für die Umwelt. Denn dabei werden enorme Mengen an Energie verbraucht. Laut Greenpeace verursachte die globale Plastikproduktion im Jahr 2019 rund fünf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 514 Kohlekraftwerken im Vollbetrieb.
Kurz genutzt, aber ewig im Umlauf
Einwegverpackungen haben eine besonders kurze Nutzungsdauer. Gleichzeitig ist Plastik äußerst langlebig. Bis zu 450 Jahre soll es dauern, bis sich Plastik zersetzt. Ein vollständiger Abbau durch Mikroorganismen ist jedoch nicht möglich. Das bedeutet, dass Plastikpartikel im Lauf der Zweit zwar kontinuierlich kleiner werden, aber nicht „verschwinden“ oder in andere Stoffe umgewandelt werden.Weil Plastikmüll oft nicht fachgerecht entsorgt wird, treiben riesige Strudel davon in den Ozeanen. Laut GLOBAL 2000 sind mehr als 2.200 im Meer lebende Tierarten vom Plastikmüll beeinträchtigt. Sie verheddern sich darin oder verwechseln ihn mit Nahrung.
Gefährliches Mikro- und Nanoplastik
Gelangt Plastik in die Umwelt, zerfällt es in immer kleinere Teile. Mikro- und Nanoplastik entstehen. Diese winzigen Partikel werden von Meeresströmungen und dem Wind überall auf der Welt verteilt. Selbst in den entlegensten Gebieten wie der Arktis hat man Mikroplastik entdeckt. Laut Berechnungen der EU-Kommission gelangen jährlich schätzungsweise 700.000 bis 1,8 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Am häufigsten geschieht dies durch den Abrieb von Autoreifen.Aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wirkt Kunststoff wie ein Magnet auf Umweltgifte. Diese reichern sich darauf an. Mikroplastik in Gewässern wird von Tieren gefressen, die wiederum auf unserem Teller landen. Auch Klärschlamm, der zur Düngung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht wird, enthält Reste von Mikroplastik. Forschende konnten die winzigen Kunststoffpartikel bereits in den unterschiedlichsten menschlichen Organen nachweisen, darunter im Blut, im Gehirn und sogar in der Plazenta. Die gesundheitlichen Folgen sind noch nicht restlos geklärt. Allerdings steht Mikroplastik im Verdacht, das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinflussen, die Leber und die Nieren zu schädigen und sogar an der Entstehung von Krebs beteiligt zu sein.
Negative Auswirkungen auf die Gesundheit
Vor allem Stoffe, die dem Plastik beigemengt sind, um dessen Eigenschaften zu verändern, stehen in der Kritik. Diese sogenannten Additive sind nicht fest gebunden und können so mit der Zeit in die Umwelt gelangen. Mehr als 16.000 verschiedene Chemikalien werden in Kunststoffen verwendet. Mehr als ein Viertel davon gilt als gefährlich. Trotzdem sind weltweit nur rund sechs Prozent der Kunststoffchemikalien gesetzlich reglementiert. Als besonders problematisch gelten Weichmacher (Phtalate), Bisphenole (BPA, BPS etc.) und bromierte Flammschutzmittel, da sie hormonell wirksam sind. Zu den gesundheitlichen Folgen zählen unter anderem Adipositas, Unfruchtbarkeit und Entwicklungsstörungen.Wie umweltfreundlich ist Bio-Plastik?
Der Begriff „Bio-Plastik“ suggeriert, dass es sich um Rohstoffe aus der biologischen Landwirtschaft handelt. Das ist allerdings in der Regel nicht der Fall. Die Verwendung des Begriffs ist nicht geregelt. Meistens besteht Bio-Plastik aus Rohstoffen, die aus der industriellen Landwirtschaft stammen.Selbst wenn Bio-Plastik biologisch abbaubar ist, geschieht das in der Realität so gut wie nie. Der Grund: Kompostieranlagen für Biomüll haben viel kürzere Rottezeiten, als sie biologisch abbaubares Plastik benötigt. Da es unwirtschaftlich wäre, den gesamten Biomüll länger zu lagern, landen diese Bio-Plastik-Produkte meist in der Müllverbrennungsanlage.
Bio-Plastik aus biogenem Ausgangsmaterial wird in der Regel aus Zuckerrohr gewonnen. Dieses stammt meist aus Brasilien, wo die Pflanze unter hohem Pestizideinsatz in Monokulturen angebaut wird. Das hat massive negative Folgen für die Umwelt und die dort lebenden Menschen. Auch Mais oder Kartoffeln werden zur Produktion von Bio-Plastik herangezogen. Zwar handelt es sich dabei um nachwachsende Rohstoffe, doch ihr Anbau verbraucht Böden, Dünger und Pestizide. Zudem sind es wertvolle Lebensmittel, die nicht für die Ernährung von Menschen oder von Tieren zur Verfügung stehen, weil sie anderweitig genutzt werden.
Bio-Plastik ist daher nur auf den ersten Blick eine umweltfreundliche Alternative für Kunststoff aus fossilen Ressourcen. Letztlich gilt immer: Der beste Abfall ist jener, der gar nicht erst entsteht.
Was bedeutet es, plastikfrei zu leben?
Ein kunststofffreies Leben war über die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte hinweg die Norm. Zwar nutzten bereits der Neandertaler und der steinzeitliche Homo sapiens Birkenpech als künstlich hergestellten Klebstoff. Im Alten Mesopotamien wurden bestimmte Baumharze als Gummi Arabicum eingesetzt und sogar nach Europa exportiert. Doch erst Mitte des 18. Jahrhunderts begann das Kunststoffzeitalter im engeren Sinne.Die Erfindung des Kunststoffs
1839 fand Charles Goodyear heraus, wie sich Kautschuk durch die Zugabe von Schwefel und Hitze in Gummi umwandeln lässt. Um 1850 entdeckte Goodyear zudem Hartgummi aus Naturkautschuk, das unter dem Namen „Ebonit“ vermarktet wurde. Auf der Weltausstellung 1862 in London stellte der Erfinder Alexander Parkes „Parkesine“ vor, einen Kunststoff, der aus Zellulose abgeleitet wurde. 1884 ließ der Chemiker Hilaire de Chardonnet Kunstseide patentieren, die aus chemisch behandelter Zellulose hergestellt wurde.Die ersten Kunststoffe basierten auf natürlichen Materialien und imitierten natürliche Rohstoffe wie Elfenbein und Seide. Zunächst besetzten sie nur eine Marktnische und wurden beispielsweise für die Herstellung von Klaviertasten, Tabakpfeifen oder Billardkugeln verwendet.
1907 erfand schließlich Leo Hendrik Baekeland den ersten Kunststoff, der keine in der Natur bekannten Moleküle mehr enthielt: „Bakelit“. Fünf Jahre später patentierte Fritz Klatte einen Kunststoff namens „Polyvinylchlorid“ (PVC). Mit PVC begann nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich der Siegeszug des Plastiks, das als billiger Werkstoff die Welt eroberte. Plastik galt als modern, sauber und schick. Nach und nach verdrängte es herkömmliche Produkte und drang in nahezu sämtliche Lebensbereiche vor.
Kann man heutzutage plastikfrei leben?
Plastik steckt in fast allen Gütern des täglichen Bedarfs, angefangen vom Laptop und Smartphone bis hin zu Teebeuteln (ein Greenpeace-Marktcheck aus dem Jahr 2024 ergab, dass 90 Prozent der Tees in Teebeuteln verkauft werden, die Plastik enthalten). In manchen Bereichen ist Plastik jedoch äußerst sinnvoll und notwendig, etwa in der Medizin, wo Spritzen, Infusionsschläuche und Einweghandschuhe aus Kunststoff bestehen.In unserer modernen Welt gänzlich auf Plastik zu verzichten, ist daher nicht machbar. Aber es ist möglich, den eigenen Verbrauch drastisch zu reduzieren.
Wo kann man plastikfrei einkaufen?
Auf Wochenmärkten und in sogenannten Unverpacktläden ist es möglich, verpackungsfrei einzukaufen. Der Verein Zero Waste Austria bietet auf seiner Website eine Landkarte mit Suchfunktion für alle neun Bundesländer an. Eine andere Möglichkeit sind Gemüsekisten, die man bei regionalen Anbietern bestellt und direkt vor die Haustür geliefert bekommt.Auch in FoodCoops ist es möglich, Verpackungsmaterial zu sparen. Eine FoodCoop (zu Deutsch: Lebensmittelkooperative) ist ein Zusammenschluss von Personen und Haushalten, die Produkte und Lebensmittel selbstorganisiert direkt von regionalen Anbietern wie Bauernhöfen, Gärtnereien, Imkereien oder Händlern beziehen. Oft setzen FoodCoops auf Großverpackungen oder Lebensmittel in wiederverwendbaren Verpackungen.
Ein Tipp, um die leere Trinkflasche unterwegs aufzufüllen: Alle Lokale, Shops und Bars, die am Projekt Refill Austria teilnehmen und gratis Leitungswasser ausgeben, sind anhand eines Stickers an der Eingangstüre zu erkennen.
7 Tipps für weniger Plastikmüll
- Immer eine Stofftasche einstecken, wenn man das Haus verlässt. So ist man für spontane Einkäufe gewappnet. Wer länger unterwegs ist, packt am besten auch noch eine auffüllbare Trinkflasche ein.
- Wer keinen Unverpacktladen in seiner Nähe hat, kann auch im Supermarkt auf weniger Verpackung achten: Meistens kann man Obst und Gemüse auch lose kaufen. An manchen Frischetheken ist es möglich, Käse, Fleisch- und Wurstwaren in einen mitgebrachten Behälter geben zu lassen. Großpackungen oder Refill-Beutel (z.B. für Flüssigseife oder Putzmittel) sparen ebenfalls Verpackungsmüll.
- Einwegbecher und Schachteln für Essensbestellungen lassen sich vermeiden, indem man vor Ort im Restaurant oder Lokal isst und trinkt. In Ruhe im Café eine kleine Pause zu machen, tut auch der Seele gut. Manche Anbieter akzeptieren mittlerweile mitgebrachte Mehrwegbecher – am besten einfach vorher fragen!
- In manchen Kosmetikprodukten ist Mikroplastik enthalten, etwa in Peelings oder Mascara. Hier empfiehlt es sich, auf Inhaltsstoffe wie Polyethylen (PE) oder Polyquaternium (PQ) zu achten. Wer bei mikroplastikfreier Kosmetik auf Nummer sicher gehen will, greift zu zertifizierter Naturkosmetik.
- Ob Seifenstück oder Reinigungstabs – bei festen Produkten in der Körperpflege oder im Haushalt gibt es mittlerweile eine große Auswahl. Oft sind sie in Karton oder Papier verpackt.
- Mehrwegprodukte sind bei häufiger Verwendung eine viel nachhaltigere Alternative zu Einwegprodukten, etwa Menstruationstassen und -scheiben statt Tampons und Binden oder Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln.
- Plastikfreie Kleidung ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern fühlt sich auch auf der Haut angenehmer an. Polyester, Polyamid (Nylon, Perlon), Polyacryl/Acryl und Elastan (Lycra) sollte man vermeiden. Besser sind Baumwolle, Leinen, Hanf oder andere Naturfasern. Auch Acetat, Viskose, Modal und Lyocell (Tencel) sind plastikfrei.
Zero Waste Austria: Mission gegen Müll und Plastik
Menschen und Unternehmen zusammenzubringen, die sich für Kreislaufwirtschaft, das Vermeiden von Lebensmittelabfällen und ein rigoroses Verbot von vermeidbarem Plastik einsetzen – das ist eine der Visionen von Zero Waste Austria. 2015 wurde die Initiative ins Leben gerufen, zwei Jahre später als gemeinnütziger Verein gegründet. Zudem ist Zero Waste Austria offizielles Mitglied bei Zero Waste Europe.Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich bei Zero Waste einzubringen, etwa durch die Teilnahme an Veranstaltungen oder durch eine private Mitgliedschaft, die Rabatte bei den Partnerunternehmen beinhaltet. Der Verein bietet auch Schulworkshops für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren (Unter- und Oberstufe) an.