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Mehr Zufriedenheit im Leben: Das empfiehlt der Psychotherapeut Alfried Längle
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Sinnsuche

Mehr Zufriedenheit im Leben: Das empfiehlt der Psychotherapeut Alfried Längle

Wie lässt sich angesichts von Klimawandel, Krisen und schlechten Nachrichten die Zuversicht bewahren? Und wie können wir bei uns selbst bleiben, statt uns immer mehr im Außen zu verlieren? Der renommierte Wiener Psychotherapeut Alfried Längle kennt drei Strategien, die zu mehr Zufriedenheit im Leben führen.

Alfried Längle ist Psychotherapeut, Arzt, klinischer Psychologe, Coach und Mitbegründer der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse in Wien. Der langjährige Mitarbeiter von Viktor Frankl ist zudem Autor. Zuletzt erschien „Sinnspuren. Dem Leben antworten“.

Drei Strategien für mehr Zufriedenheit im Leben

1. Eigene Grenzen (an)erkennen

Angesichts der Nachrichten zu Klimawandel, Krisen und Kriegen fühlen sich viele Menschen verunsichert. In seiner psychotherapeutischen Praxis in Wien hat Alfried Längle oft mit Menschen zu tun, die sich um die Zukunft sorgen. Er empfiehlt, mehr bei sich zu bleiben: „Ganz wichtig ist, sein Leben zu leben und sich nicht abbringen zu lassen von diesen äußeren Umständen. Wir können diese großen Dinge nicht ändern. Deshalb sollten wir uns im Tun auf das bescheiden, was uns möglich ist.“

Sich darauf zu konzentrieren, was man im eigenen Alltag positiv bewirken kann, sei ein erster Schritt hin zu mehr Zufriedenheit. Denn so erfährt man Selbstwirksamkeit, statt sich dem Gefühl von Verzweiflung und Machtlosigkeit hinzugeben. Auch Kleinigkeiten tragen dazu bei: jemandem den schweren Einkauf nach Hause tragen, jemandem über die Straße helfen oder ein ehrliches Lob aussprechen. „All das macht unseren Alltag menschlicher“, betont der Experte.

Auch gegen den Klimawandel kann jeder von uns etwas beitragen, etwa indem man mit dem Fahrrad fährt, statt das Auto zu nehmen oder weniger Fleisch isst. „Das wird das Klima nur wenig ändern, aber ich erlebe, dass ich den mir möglichen Beitrag geleistet habe. Und damit geht es mir mit dem ganzen Problem ein bisschen besser“, erklärt Längle.

Positiver Nebeneffekt: Nachhaltiges Verhalten wirkt „ansteckend“, wie eine Studie herausfand. Dadurch werden auch Menschen im eigenen Umfeld angeregt, über ihr Konsum- und Mobilitätsverhalten nachzudenken und es gegebenenfalls selbst zu verändern. So wird aus wenigen Vorreiterinnen und Vorreitern langsam, aber sicher eine größere Gruppe – und deren Handeln hat auf lange Sicht ein großes Gewicht.

2. Sinn im Miteinander und Füreinander finden

Es ist nicht leicht, in unserer modernen, individualisierten und konsumorientierten Welt herauszufinden, worin der Sinn des Lebens liegt. Zahlreiche Verlockungen versprechen, uns glücklich zu machen und unsere angeblichen Bedürfnisse zu erfüllen. „Es geht im Leben aber nicht nur darum, was ich will und bekomme“, betont Längle. „Kein Mensch lebt nur für sich allein. Wir sind in eine Welt mit Mitmenschen, in eine Umwelt hineingestellt. Frag nicht immer, was du kriegst und was dein Vorteil ist, sondern frag dich auch: Was braucht die Welt von dir?“

Dieser Blick auf die Welt verändert unser Miteinander zum Positiven. Das beginnt schon im Kleinen, wie der Psychotherapeut erläutert: „Ich möchte vielleicht Kinder haben und ihnen helfen, dass sie gut ins Leben kommen. Ich möchte vielleicht eine Partnerschaft, Freundschaften haben und meinen Liebsten auch mal was Gutes tun. Diesen Ansatz sollten wir ausweiten.“ Stichwort: Nachbarschaftshilfe oder vielleicht sogar ein Engagement in der Freiwilligenarbeit. Das macht nicht nur die Welt ein bisschen besser, sondern sorgt auch bei uns selbst für mehr Zufriedenheit im Leben.

Wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen für ein erfülltes Leben sind, haben zahlreiche Studien der Glücksforschung untersucht, unter anderem die „Grant & Glueck“-Langzeitstudie der Harvard Universität. Auch die Gehirnforschung weiß, dass zwischen dem Helfen und Geben und der Ausschüttung von Glückshormonen ein enger Zusammenhang besteht. Schon in den 1980er-Jahren fanden Wissenschaftsteams heraus, dass Spenden glücklich macht und das sogenannte „Helper’s High“ auslöst.

3. Eigene Motive hinterfragen

Engagement und Zugewandtheit sind wertvoll für die Gemeinschaft und ein wichtiger Faktor für mehr Zufriedenheit im Leben. Sie können jedoch auch zur Belastung werden. Wer ständig einspringt und jede Bitte erfüllt, läuft Gefahr, in einen Burnout zu rutschen. Idealisierte Nächstenliebe, ein falsch verstandenes Pflichtgefühl, die Angst vor einem schlechten Gewissen oder die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung durch aufopferungsvolle, selbstlose Hingabe sind keine guten Ratgeber. Besonders schwierig wird es, wenn man im Gegenzug für seinen Einsatz Dankbarkeit erwartet.

Hier stellt sich die Frage: Was motiviert mich eigentlich dazu, etwas für andere zu tun? „Wenn ich von Herzen gebe, dann brauche ich keinen Dank. Denn durch meine Hilfe erlebe ich eine Freude aus der Mitmenschlichkeit, aus der Empathie heraus“, erklärt der Experte. „Wenn ich mir jedoch etwas abringe, dann brauche ich Dank. Dann will ich diesen einfordern, weil ich verzichtet, weil ich geopfert habe. Dadurch tue ich mir selbst nichts Gutes, und vielleicht auch den anderen nicht.“

Als Beispiel nennt Längle die Generation der „Häuselbauer“, die sich das Wohneigentum oft vom Mund abgespart hat, um es später ihren Kindern zu vererben. „Dann haben wir die Situation, dass die Eltern den Kindern vorwerfen, dass sie nie auf Besuch kommen und undankbar sind. Und die Kinder sagen, sie hätten lieber Eltern, die auf Urlaub gefahren wären und ein gutes Leben gehabt hätten“, schildert der Experte.

Es ist also wichtig, in einem gesunden Maße auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Ein kurzer innerer Check gibt Klarheit: Habe ich gerade wirklich die nötigen Ressourcen, die Kraft und Zeit, um etwas für andere zu tun? Fühlt es sich für mich stimmig an? „Stimmig ist es, wenn ich spüre: Es entspricht auch meiner Einstellung, meiner Haltung, meinen Überzeugungen“, sagt Längle. „Das ist nicht Egoismus, sondern Eigenverantwortung.“



Zuversicht bewahren: Alfried Längle und die "Lust an Zukunft"-Initiative von dm
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