Alles über Fehlsichtigkeit bei Kindern
Wie können Eltern die Entwicklung von Kinderaugen bestmöglich unterstützen? Das sind die Empfehlung einer Augenärztin.
Dr. Anna Sophie Reisinger ist Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie in Linz, mit besonderem Fokus auf die Augengesundheit von Kindern. Info: Augen-reisinger.at. Was beim Check in der Ordination passiert, beschreibt sie mit der Orthoptistin (Fachkraft für Sehstörungen durch Fehlstellungen oder Fehlsichtigkeiten) Ulrike Pichler kindgerecht in dem Buch „Ein Fall für Team Adlerauge“ (um 19,40 Euro).
Ist das Kind nur müde und blinzelt deshalb so oft? War das schon ein Schielen oder nur der Versuch, alles in der Ecke dahinten zu erkennen?“ Wenn es um die Sehorgane ihrer Sprösslinge geht, sind Eltern oft verunsichert. Augenärztin Dr. Anna Reisinger, die sich u.a. auf die Förderung der Augengesundheit bei Kindern spezialisiert hat, informiert hier über die Basics.
Warum Früherkennung so wichtig ist
„Das visuelle System entwickelt sich im Laufe der ersten Lebensjahre, wobei die Zellen der Netzhaut reifen und sich die Verschaltungen im Gehirn ausbilden. Diese Entwicklung ist abhängig davon, dass dem Gehirn ein scharfes Bild präsentiert wird. Wird eine Fehlsichtigkeit, also eine Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautkrümmung, nicht vor Abschluss dieser Entwicklung erkannt und behandelt, kann das Sehen nicht mehr erlernt werden“, erklärt die Expertin. Bei einer frühzeitigen Diagnose besteht noch die Möglichkeit, durch Korrektur der Fehlsichtigkeit die visuelle Entwicklung aufzuholen. Wird ein Sehfehler hingegen zu spät entdeckt, zeigen Therapien nur mehr eingeschränkte Erfolge. Im schlimmsten Fall bleibt das Kind so schwachsichtig (amblyop), dass es trotz Brille keine volle Sehschärfe erreichen kann.
Wie sich Fehlsichtigkeit zeigt
Kinder haben kein Bewusstsein darüber, dass sie fehlsichtig sind. Sie haben die Welt ja nie anders gesehen. Daher rät Reisinger: „Gehen Sie regelmäßig mit Ihren Kindern zur Kontrolle bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Die im Eltern-Kind-Pass empfohlene Untersuchung um den zweiten Geburtstag genügt nicht – insbesondere, wenn in der Familie stärkere Fehlsichtigkeiten oder andere Augenerkrankungen vorliegen.“ Weitere Hinweise auf eine Sehstörung können häufiges Blinzeln, Schielen, das Schiefhalten des Kopfes, wiederkehrende Kopfschmerzen sowie Unsicherheiten beim Laufen und Greifen sein. Treten diese Symptome bei ihren Kindern auf, sollten sich Eltern auf jeden Fall an die Fachärztin oder den Facharzt wenden.
Wann man zum Check sollte
Reisinger empfiehlt, die Augen bis zum Schulstart alle zwei Jahre untersuchen zu lassen (mit 2, 4 und 6 Jahren) – selbst, wenn keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. „Ein richtiger Sehtest ist meistens ab dem vierten Lebensjahr möglich. Dabei werden dann altersgerechte Symbole verwendet, die die Kinder entweder benennen oder auf Antworttafeln finden können. Für die Kleinen soll sich die Untersuchung wie ein Spiel anfühlen.“
Welche Behandlungen helfen
Wird eine Fehlsichtigkeit diagnostiziert, bekommt das Kind zuerst eine Brille, um das Gehirn mit „korrekten“ Bildern zu versorgen. Hat ein Auge die Regie übernommen und das andere schwächelt, wird zusätzlich das gute Auge zeitweise mit einem Pflaster abgeklebt (gibt’s auch mit bunten Kindermotiven). So wird das schwächere Auge zu mehr Aktivität angeregt und seine Sehkraft verbessert. Steigert sich die Kurzsichtigkeit sehr schnell, verabreicht man in speziellen Fällen auch medizinische Augentropfen.
Was Eltern vorbeugend tun können
Generell warnt die Expertin vor langem Nahsehen: „Insbesondere am Bildschirm oder Smartphone erhöht es das Risiko, dass das Kind eine Kurzsichtigkeit entwickelt“. Bis zum 3. Lebensjahr empfiehlt Reisinger daher komplette Bildschirm-Abstinenz, danach eine Medienzeit von max. 30 Min pro Tag. Auf regelmäßige Aufenthalte im Freien achten, denn auch diese sind für eine gesunde Entwicklung der Augen wichtig. Außerdem kann die Sehfunktion mit einer abwechslungs-, vitamin- und nährstoffreichen Ernährung gefördert werden. Die Vitamine A, C, E sowie der Pflanzenfarbstoff Lutein wirken dabei zellschützend, Vitamin B12 ist gut für den Sehnerv und Zink regt die Zellerneuerung an. Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Fisch und Nüssen enthalten) haben darüber hinaus eine Schutzfunktion: Sie können die Netzhautstruktur stärken und für befeuchtete Augen sorgen.
Ein Fall für Team Adlerauge. Auf Spurensuche in der Augenarztpraxis
Anna Reisinger, Ulrike Pichler
Verlag: Anna Reisinger