Unterleib einer Barbie, die sich zwischen die Beine greift
Frau spricht Klartext

Mehr Lust, weniger Frust: Tipps für mehr Spaß am Sex

Kaum jemand will ganz ohne Sex leben. Aber was kann eine Frau tun, wenn Lustlosigkeit bei ihr Alltag geworden ist? Sexcoach Nicole Siller hat ganz handfeste Tipps, wie Frauen wieder zu einem erfüllten Sexleben kommen.

In ihrem Ratgeber „Finde deine Lust!“ beschreibt die österreichische Sexualberaterin Nicole Siller, wie Frauen ihre Sinnlichkeit und Erregung entfalten können. Denn lebendige Sexualität bedeutet viel mehr als nur „das Eine“. Aus Gesprächen hört Siller oft heraus: Viele Frauen nehmen sich selbst nicht als sinnlich genug wahr, um ihre sexuelle Lust ausleben zu können. Oder: Frauen wünschen sich Sex erst dann wieder, wenn die Kinder größer geworden, sich nach einer Schwangerschaft die Vagina wieder „normal“ anfühlt oder wenn nach einer Diät die Kilos gepurzelt sind. Die Expertin aber ist überzeugt: Lustlosigkeit muss nicht sein – jede Frau kann ein erfülltes Sexualleben haben!

Schluss mit Lustlosigkeit: Tipps für jede Frau

Als Sexcoach haben Sie zahlreiche Gespräche mit Frauen – wie ist das mit der Lustlosigkeit: Haben viele Frauen Schwierigkeiten, ihre Lust auszuleben?

Was ich wahrnehme, sind Tendenzen. Bei den jüngeren Frauen gehen sie immer öfter auch dahin, dass sie keinen Sex wollen und das einfach nur schrecklich finden. Das bestätigt mir auch so manche Gynäkologin, mit der ich zusammenarbeite.

Woran könnte das liegen?

Viele wachsen mit Pornografie auf und stellen fest: Igitt, das will ich alles nicht mit mir machen lassen. Es sind nicht alle jungen Frauen so. Aber ich merke immer wieder, dass sich manche sehr schwertun. Übrigens betrifft das nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Alle haben Stress, performen zu müssen. Dabei ist Sexualität viel mehr als Pornografie!

Und wie geht es älteren Frauen mit ihrer Sexualität?

Bei der Generation 40/50 plus ist tendenziell noch viel mehr eigenes Gespür da. Und damit auch mehr Selbstbewusstsein und Mut. Man sagt ja landläufig, junge Frauen haben leichter Sex und ältere keine Lust mehr. Das stelle ich so nicht fest. Es leiden zwar viele Frauen an Lustlosigkeit, aber das ist ganz unabhängig vom Alter.

Was führt bei Frauen zu Lustlosigkeit?

In meinen Coachings höre ich heraus, dass das gesamte aktuelle Leben als sehr stressig empfunden wird. Egal, ob man kleine Kinder hat, im Job funktionieren muss oder ganz andere Herausforderungen hat. Erschwerend hinzu kommen zum Beispiel Beziehungskrisen oder Krankheiten. Von Frauen wird sehr viel erwartet. Sie sollen gute Mütter sein, top im Job und gleichzeitig lustvoll. Das geht sich vom Stresslevel her aber einfach nicht aus.

Abgesehen vom Alltagsstress: Wie lässt es sich erklären, dass Frauen oft eine distanzierte Einstellung zur eigenen Lust haben?

Die Lust der Frau wurde über die Jahrhunderte – soweit man das heute weiß – häufig unterdrückt. Man denke nur an Beschneidungen oder den Keuschheitsgürtel zurück. Lustvolle Frauen sind oft enthemmt, ekstatisch, voll in ihrem Glück, gut mit sich selbst verbunden. Diese Erregung der Frau hat bei Männern tendenziell Angst hervorgerufen und war oft ein Machtfaktor. Denn wenn weibliche Lust so richtig gelebt wird, setzt das Energie frei. Dadurch hat die Frau ein anderes Standing und mehr Eigen-Macht, braucht weniger den Mann.

Wir leben aber nicht mehr im Mittelalter. Wo steht die weibliche Lust heute?

Das Thema Lust ist im Laufe der Geschichte immer wieder anders bewertet worden. Vor gar nicht so vielen Jahren war es noch so, dass lustvolle Frauen voll Scham besetzt waren. Dabei hat auch die Kirche eine Rolle gespielt mit der Einstellung: Sex dient ausschließlich der Fortpflanzung und der Erfüllung der ehelichen Pflichten. Heute soll die Frau gesellschaftlich gewünscht plötzlich wieder Lust haben. Sprich: Wirf eine Pille ein und komm‘ in Ekstase.

Sie schreiben im Buch von Charmelippen anstatt von Schamlippen. Was hat das mit der weiblichen Lust oder Unlust zu tun?

Akustisch betrachtet klingen die beiden Wörter ähnlich, sie bedeuten aber etwas ganz anderes. Eine meiner Anregungen im Buch ist: Probieren Sie aus, was es bewirkt, von Charmelippen zu reden. Wie klingt: Ich fühle hinein in meine Schamlippen? Und wie klingt: Ich fühle hinein in meine Charmelippen? Das macht etwas mit dem Körper. Wir sollten endlich davon wegkommen, dass Frau sich für ihre Geschlechtsorgane schämen muss.

Sie halten monatlich Frauenrunden ab und immer wieder mehrwöchige Gruppenkurse. Warum kommen Frauen zu Ihnen und suchen Hilfe?

Das ist völlig unterschiedlich. Bei den Gruppen geht es um Selbstwahrnehmung und Sinnlichkeit. Meine Kurse sind unter anderem deshalb hilfreich, weil die Frauen in der Gruppe merken, dass sie mit ihren Problemen nicht allein dastehen. Es gibt Teilnehmerinnen, die unter Lustlosigkeit leiden, ihren Körper nicht mögen. Manche denken, sie könnten erst wieder guten Sex haben, wenn sie zehn Kilo abgenommen haben, der Stress weg ist oder die Kinder groß sind. Es gibt auch viele Tendenzen, sich selbst – weil wir im außen so gut funktionieren – nicht gut wahrnehmen zu können. Tatsächlich ist es oft schwierig, sich als schöne, lustvolle Frau selbst zu erfahren. Weil uns ja auch die Werbung sagt, dass wir gewissen Maßstäben genügen müssen, um sinnlich und sexy zu sein. Diese Kurse führen meist zu deutlich positiver, sinnlicher Selbstwahrnehmung.

Kann jede Frau ein erfülltes Sexualleben haben und die Lustlosigkeit aus dem Alltag verbannen?

Davon bin ich überzeugt. Wenn eine Frau aus freien Stücken den Entschluss fasst, ein lustvolles und wohltuendes Sexleben haben zu wollen, kann sie selbst sehr viel dafür tun. Menschen, die schwere Traumata oder Krankheiten erlebt haben, können sich oft gut mit Unterstützung von ExpertInnen in die für sie passende Richtung entwickeln.

Wie können Frauen ihre Weiblichkeit und Sinnlichkeit entfalten?

Zuerst einmal hilft eine Bestandsaufnahme: Wo stehe ich? Was mag ich an mir und was gar nicht? In welchem Bereich habe ich das Gefühl, dass ich nicht schön genug bin? Man sollte dabei versuchen, sich ehrlich, aber möglichst wohlwollend anzuschauen. Im nächsten Schritt fragt man sich: Was würde meine beste Freundin über mich sagen? Das hat folgenden Hintergrund: Wir sind mit niemandem so streng wie mit uns selbst. Auch in Gedanken. Aber unsere Gedanken machen etwas mit uns. Wenn ich mir denke, ich bin hässlich, dann sehe ich immer nur den Wabbelbauch. So kann man sich sehr viele Glaubenssätze einreden, die mir nicht gut tun!

Wie lassen sich diese negativen Einstellungen ändern?

Man kann sich bewusst ansehen, was man an sich selbst mag, im Freundinnenkreis oder von einem liebevollen Partner positives Feedback holen. Frauen können sich in allen Belangen selbst stärken, auch in ihrer Selbstwahrnehmung und Sinnlichkeit. Wir könnten uns gegenseitig dabei unterstützen. Eine Frau würde niemals eine weibliche Person, die ihr nahesteht, so negativ bewerten wie sie es womöglich bei sich selbst tut.

Verraten Sie uns zum Schluss noch einige Tipps aus Ihrem Buch, wie eine Frau konkret ihre Lustlosigkeit loswerden und ihre Erregung steigern kann?

Womit alles beginnt: Versuchen Sie, die eigenen Sinne bewusst wahrzunehmen und zu schärfen! Das geht gut mit ganz einfachen Dingen wie essen, trinken oder riechen. Was ziehe ich gern an? Dusche ich lieber kalt oder warm? Mag ich Sonne auf meiner Haut oder nicht? Manche Frauen sind visueller, andere möchten mehr spüren, hören, riechen oder schmecken.

Also wieder mehr auf das Körperliche achten?

Ja. Jede Frau kann ohne großen Zeitaufwand ihren Körper wieder sinnlicher wahrnehmen: Sie könnte sich immer dann, wenn sie ihren Körper bewusst angreift, auf das Positive besinnen. Etwa beim Duschen oder Eincremen. Es ist wichtig, sich selbst gut zu spüren. Zum Beispiel, wie sich der Busen anfühlt, wenn er in den eigenen Händen liegt. Es findet sich immer etwas, um den eigenen Körper positiv wahrzunehmen. Man sollte sich bewusst auf die Stellen konzentrieren, die man mag. Das stärkt und rückt den eigenen Körper in einen positiven Blickwinkel.

Finde Deine Lust. Das Praxisbuch für weibliche Sexualität.
Nicole Siller
Verlag: „Kneipp

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