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Histaminintoleranz: Was wirklich dahintersteckt und was Beschwerden lindert
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Ratgeber

Histaminintoleranz: Was wirklich dahintersteckt und was Beschwerden lindert

Zusammenfassung Eine sogenannte Histaminintoleranz ist eigentlich ein Überschuss an Histamin im Körper. Histamin wird vom Körper selbst produziert. Auch durch das Essen wird Histamin aufgenommen. Zu viel davon kann Kopfschmerzen, Ausschlag auf der Haut oder Atemnot verursachen. Es gibt verschiedene Gründe, warum zu viel Histamin im Körper ist. Das Alter kann eine Rolle spielen. Frauen in den Wechseljahren sind öfter betroffen. Es hilft, möglichst frische Lebensmittel zu essen und ausreichend zu trinken. Medikamente können Symptome lindern. Sie sind aber keine Dauerlösung. Auch viel Schlaf und wenig Stress sind wichtig.

Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert

Mit dem Begriff „Histaminintolerenz“ verbinden viele Menschen schmerzhafte Symptome und eine stark eingeschränkte Ernährung. In seinem neuen Buch „Der Histamin Masterplan“ räumt Dr. med. Jörn Klasen mit vielen Mythen auf. Uns verrät er die wichtigsten Tipps, die langfristig ein beschwerdefreies Leben ermöglichen.

Dr. med. Jörn Klasen ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Magen-, Darm- und Lebererkrankungen, Ernährungsmediziner sowie Arzt für anthroposophische Medizin und Naturheilverfahren. Bekannt ist er vor allem durch seine Arbeit im Ärzteteam der NDR-Ernährungsdocs. 2026 erschien sein neues Buch „Der Histamin Masterplan“ mit vielen Tipps für den Alltag sowie mehr als 60 Rezepten.

Was ist Histamin?

Histamin ist eine Substanz, die im menschlichen Körper sowie in Bakterien, Tieren und Pflanzen vorkommt. Es zählt zu den sogenannten biogenen Aminen, den Abbauprodukten von Aminosäuren (Eiweißen). Zum einen wird Histamin mit der Nahrung aufgenommen, zum anderen aber auch vom Körper selbst produziert.
Histamin wirkt als Botenstoff und wird in verschiedensten Zellen gespeichert, z.B. in den Mastzellen des Immunsystems. Diese sind spezialisierte Abwehrzellen, die vor allem in der Haut, den Schleimhäuten, den Atemwegen und dem Darm sitzen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei Abwehrprozessen sowie bei der Wundheilung. Histamin sorgt nämlich dafür, dass Abwehrzellen im Blut schnell zu jener Stelle gelangen, an der sie benötigt werden. Neben seinen Funktionen für das Immunsystem erfüllt Histamin auch wichtige Aufgaben bei der Verdauung und für das Nervensystem.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Die Begriffe „Histaminintoleranz“oder „Histaminunverträglichkeit“ sind streng genommen nicht korrekt. Da Histamin ein wichtiger körpereigener Botenstoff ist, kann der Körper keine Intoleranz dagegen entwickeln. „Der Knackpunkt ist vielmehr ein Zuviel an Histamin im Körper und eine gestörte Balance von Aufnahme und Abbau“, betont Dr. med. Klasen. „Erst wenn zu viel davon freigesetzt wird oder der Abbau nicht richtig funktioniert, kippt das Gleichgewicht und es entstehen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, Hautausschläge oder Atemnot.“ Die richtige Bezeichnung lautet daher „Histamin-Überschuss-Syndrom“ oder „Histaminose“.

„Jeder Mensch hat eine persönliche Toleranzschwelle gegenüber Histamin, die bestimmt, wie stark er oder sie auf eine bestimmte Belastung reagiert“, erklärt der Mediziner. Der Gesamtanteil der Betroffenen wird auf ein bis drei Prozent der Bevölkerung geschätzt.

Anders als bei einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz muss ein Histamin-Überschuss-Syndrom nicht dauerhaft bestehen. Die Symptome können auch nur vorübergehend auftreten, etwa nach einer Darmerkrankung oder nach einer Antibiotikatherapie. „Mit dem richtigen Wissen und etwas Geduld bekommt man die Beschwerden in den Griff und kann eine dauerhaft gute Lebensqualität zurückgewinnen“, macht Dr. Klasen Mut.

Welche Symptome treten bei zu viel Histamin im Körper auf?

Die Symptome eines Histamin-Überschuss-Syndroms (vulgo „Histaminintoleranz“) sind sehr vielfältig und individuell. Sie betreffen den ganzen Körper und lassen sich nicht einem bestimmten Organ zuordnen. Manche treten bereits nach wenige Minuten auf, andere erst Stunden später. Das alles macht eine Diagnose sehr schwierig.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

Wie kommt es zu einem Überschuss an Histamin?

Laut Dr. med. Klasen kann ein Histamin-Überschuss-Syndrom an drei Ursachen liegen: Der Körper nimmt zu viel Histamin auf, der Körper produziert selbst zu viel Histamin oder der Histaminabbau ist gestört.

Zu viel Histamin durch die Ernährung

Als Faustregel gilt: Je länger ein Lebensmittel gereift, fermentiert oder gelagert wurde, desto mehr biogene Amine – unter anderem Histamin – enthält es. Bei Beschwerden gilt es also nicht nur, histaminreiche Lebensmittel zu meiden, sondern auch Nahrungsmittel zu erkennen, die andere biogene Amine enthalten. „Denn sie blockieren den Abbau von Histamin und erhöhen so den Histaminspiegel“, erklärt der Experte.

Probiotika, die in natürlicher Form in vielen Lebensmitteln enthalten sind, können sowohl nützlich als auch problematisch sein. Dr. med. Klasen verweist darauf, dass sie bisher noch zu wenig erforscht sind. „Daher sollte man Probiotika sorgsam und vorsichtig einsetzen, wenn man empfindlich auf Histamin reagiert. Sie kategorisch vom Speiseplan zu streichen, ist nicht empfehlenswert, da sie viele positive Effekte, wie beispielsweise die Stärkung des Mikrobioms, haben.“

Auch einige Medikamente können Histamin freisetzen, etwa Acetylsalicylsäure (in Aspirin enthalten).

Übermäßige Histaminproduktion

Oft sind Hormone die Ursache für einen aus der Balance geratenen Histaminhaushalt. „Etwa 80 Prozent der von einem Histaminüberschuss Betroffenen sind Frauen“, weiß der Mediziner. Östrogen fördert die Freisetzung von Histamin und hemmt dessen Abbau. Besonders um den Eisprung und vor dem Einsetzen der Menstruation kann es zu verstärkten Beschwerden kommen. Progesteron fungiert als Gegenspieler zum Histamin, nimmt allerdings mit zunehmendem Alter ab. Daher gibt es nach den Wechseljahren mehr Betroffene. „Auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann den Histaminabbau verlangsamen, besonders bei Hashimoto“, so Dr. med. Klasen.

Zudem können ein ungünstig zusammengesetztes Mikrobiom im Darm, Stress, Schlafmangel, körperliche Belastungen oder Störungen im Stoffwechsel dazu führen, dass die Mastzellen im Immunsystem zu viel Histamin produzieren.

Gestörter Histaminabbau

Dass vorhandenes Histamin nicht ausreichend abgebaut wird, kann verschiedene Ursachen haben: Genetische Faktoren, Lebererkrankungen, Schädigungen der Darmschleimhaut, Zöliakie, Morbus Crohn, das Reizdarmsyndrom oder akute Magen-Darm-Infekte spielen eine Rolle, aber auch eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darms.

Alkohol- und Drogenkonsum, bestimmte Medikamente oder Nährstoffmangel (Vitamin B6, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin C oder Zink) wirken ebenfalls hemmend beim Histaminabbau. Manchmal liegt es aber auch schlichtweg am zunehmenden Alter, dass der Körper sensibler auf Histamin reagiert.

Welcher Blutwert zeigt Histamin an?

Der Weg zur Diagnose ist für viele Betroffene oft ein langer. „Es gibt keine labortechnische Untersuchung, mit der sich ein Histamin-Überschuss-Syndrom eindeutig nachweisen lässt“, erklärt Dr. med. Klasen. Einzelne Laborwerte seien nicht aussagekräftig genug für eine sichere Diagnose, da sie stark schwanken und nicht zwingend die tatsächliche Situation im Körper widerspiegeln. Die Diagnose basiert daher auf mehreren Bausteinen: Neben Blutuntersuchungen sind das eine ausführliche Anamnese, der Ausschluss anderer Krankheiten, Urin- und Stuhltestungen, das Führen eines Ernährungstagebuchs und Provokationstests.

„Nicht hilfreich sind bei einem Histamin-Überschuss-Syndrom Mikrobiomstuhltests. Dafür sind zu viele der ungefähr 2000 Bakterienarten noch unbekannt“, warnt der Mediziner. Als sinnvolle Laboruntersuchungen empfiehlt er die Erhebung von Calprotectin (gibt Hinweise auf Entzündungsgeschehen im Magen-Darm-Trakt), von pathogenen Keimen, Gallensäure oder Fettsäuren im Stuhl. Auch das Enzym Elastase kann auf eine gestörte Fettverdauung hindeuten. „Diese Werte können Hinweise auf eine Stoffwechselerkrankung geben, die einen besonderen Einfluss auf das Histamingleichgewicht im Stoffwechsel habt“, so der Experte.

Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?

Eine Ernährungsumstellung ist das A und O bei einer sogenannten „Histaminintoleranz“. Damit kein Nährstoffmangel entsteht, sollte man sich dabei allerdings immer ernährungsmedizinisch beraten und begleiten lassen.

Problematische Lebensmittel bei einem Histamin-Überschuss-Syndrom sind Tomaten, Spinat, Auberginen, Avocados, Bananen, Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Nüsse, Schokolade, gereifter Käse (Hartkäse), Fisch und Meeresfrüchte, fermentierte Produkte (z.B. Sauerkraut, Kimchi), gereiftes und verarbeitetes Fleisch (z.B. Salami, Schinken) sowie Essig. Fertigprodukte mit vielen Zusatzstoffen oder industriell verarbeitete Lebensmittel sollten bei einem Histamin-Überschuss-Syndrom vermieden werden, ebenso Alkohol, Nikotin und Kaffee. Eine verträgliche Alternative ist entkoffeinierter Kaffee. Aufpassen heißt es auch bei hefehaltigen Produkten.

Dr. med. Klasen ist es aber wichtig zu betonen, dass die Verträglichkeit von Lebensmitteln sehr individuell ist. Es sei daher essenziell, die persönlichen Trigger zu identifizieren und sich langfristig an eine möglichst normale Ernährungsweise heranzutasten. Das kann auch so aussehen, dass die Menge eines kritischen Lebensmittels einfach nur reduziert wird. Kleinere Portionen seien generell empfehlenswert, meint der Mediziner, denn: „Auch verträgliche Lebensmittel können in großen Mengen Symptome auslösen.“

Lebensmittel sollten möglichst frisch zubereitet und verzehrt werden. Verderbliches muss unbedingt gekühlt werden. Speisereste kommen am besten nicht in den Kühlschrank, sondern werden tiefgefroren. Eingefrorenes muss rasch aufgetaut und verarbeitet werden. „Schon kurze Zeiten – wir sprechen von wenigen Minuten – außerhalb des Kühlschranks fördern das Wachstum von Bakterien, die Histamin bilden“, betont der Experte.

Hilfreich ist auch, auf eine vitaminreiche Ernährung zu achten. Insbesondere Vitamin B6 und Vitamin C fördern den Histaminabbau. Um das Darmmikrobiom zu stärken, sind viele Ballaststoffe wichtig. Da Histamin wasserlöslich ist, sollten Betroffene zudem viel Wasser trinken. Das unterstützt den Abbau und die Ausscheidung von Histamin.

Wie kann man Histamin noch senken?

Eine Ernährungsumstellung allein reicht oft nicht aus, um die Beschwerden gänzlich verschwinden zu lassen. Deshalb sollten Betroffene auch auf andere Faktoren achten, allen voran auf eine gute Schlafhygiene und ein effektives Stressmanagement. Auch ein aktiver Lebensstil spielt eine wichtige Rolle: „Bewegung baut Stress ab, regt den Stoffwechsel an und unterstützt den Abbau von Histamin“, sagt Dr. med. Klasen. Allerdings ist moderate Bewegung zu bevorzugen, die nicht zu stark belastet. Zu intensives Training bedeutet nämlich Stress für den Körper und regt wiederum die Ausschüttung von Histamin an.

Wer all diese Faktoren berücksichtigt, gibt dem Körper die Möglichkeit, sich von dem Histaminüberschuss zu erholen. „Langfristig geht es darum, die Ursachen zu beheben und die individuelle Toleranz wieder zu steigern“, so der Experte.

Gibt es Medikamente gegen Histaminintoleranz?

Betroffene eines Histamin-Überschuss-Syndroms können – nach ärztlicher Abklärung – auch auf Medikamente zurückgreifen. Zur Verfügung stehen Antihistaminika (H1- und H2-Blocker oder Loratadin), Enzympräparate (DAO-Kapseln), Mastzellstabilisatoren und Elektrolytlösungen. „Für den Notfall empfiehlt es sich, immer Enzympräparate oder ein passendes Antihistaminikum in der Tasche zu haben“, rät Dr. Klasen. Das erleichtere etwa das Essengehen im Restaurant, wo Histaminquellen oft nicht so leicht auszumachen sind. Allerdings sind diese Medikamente keine Dauerlösung, schließlich beheben sie nicht die Ursache des Histaminüberschusses. Darüber hinaus können sie eine Ernährungsumstellung nicht ersetzen.

Rezept-Tipp: Fenchel-Paprika-Nudeln mit Käse

Für 2 Personen | Zubereitung: 25 Minuten

Zutaten:
  • 180 g Vollkornbandnudeln
  • Salz
  • 1 kleine rote Zwiebel
  • 1 Fenchel (ca. 300 g; mit Grün)
  • 1 kleine rote Paprikaschote
  • 100 g Zuckerschoten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 60 g junger Gouda (45 % Fett i. Tr.)
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 TL Fenchelsamen
  • Pfeffer
  • 2 Stiele Basilikum
Nährwerte pro Portion:
ca. 620 kcal, 24 g Eiweiß, 24 g Fett, 68 g Kohlenhydrate, 17 g Ballaststoffe

Zubereitung:
Nudeln in reichlich kochendem Salzwasser nach Packungsanweisung bissfest garen.

Zwiebel schälen, halbieren und in feine Scheiben schneiden. Den Fenchel putzen, waschen und vierteln, den harten Strunk entfernen, das zarte Grün beiseitelegen. Den Fenchel in dünne Streifen schneiden. Paprika vierteln, putzen, waschen und in etwa 2 große Würfel schneiden. Zuckerschoten verlesen, waschen und schräg halbieren. Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden. Den Gouda reiben.

Zwiebel, Fenchel und Paprika in einer großen beschichteten Pfanne im Öl bei mittlerer Hitze etwa 3 Minuten anbraten. Zuckerschoten und Knoblauch dazugeben und kurz mitbraten. Die Fenchelsamen im Mörser zerdrücken und zum Gemüse geben, das Gemüse salzen und pfeffern.

Nudeln in ein Sieb abgießen und abtropfen lassen, dabei etwa 125 ml Kochwasser auffangen. Nudeln und Kochwasser zu dem Gemüse in die Pfanne geben und alles bei schwacher Hitze noch 2 bis 3 Minuten ziehen lassen. Das Basilikum waschen, trocken tupfen und die Blätter abzupfen. Das Fenchelgrün grob hacken. Die Nudeln in tiefen Tellern anrichten und den Käse darüberstreuen. Mit Basilikum und Fenchelgrün garnieren.

Tipp zum Ausprobieren:
Im Gemüse-Sugo können Sie die Paprikaschote durch 150 g halbierte Cocktailtomaten ersetzen –vorher die Verträglichkeit testen! Ebenso passt statt Gouda frisch geriebener Parmesan oder Grana padano – auch hier bitte die individuelle Verträglichkeit prüfen.


Der Histamin Masterplan
von Dr. med. Jörn Klasen
ZS-Verlag
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